Landesgartenschau Löbau (Sachsen) 2012

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©  Lichtschwärmer, Christo Libuda | hutterreimann Landschaftsarchitektur Senkgarten in der ehemaligen Zuckerrübenwaschanlage 

©  Lichtschwärmer, Christo Libuda | hutterreimann Landschaftsarchitektur Das topographisch anspruchsvolle Gelände wird über eine neue Wegeverbindung, die Berg- und Talpromenade, erschlossen, beginnend am „Zuckerplateau“, entlang des Löbauer Wassers im Tal bis hin zur Altstadt. 

©  Lichtschwärmer, Christo Libuda | hutterreimann Landschaftsarchitektur Das „Zuckerplateau“, direkt am Eingang der Gartenschau, wird als großer, offener, multifunktionaler Platz mit einem zentralen Zuckerahornhain gestaltet. 

Das behutsam sanierte Zuckerlager bietet Raum für Veranstaltungen, eine kleine Dauerausstellung erläutert die Prozesse der Zuckerfabrikation. Während der Gartenschau beinhaltet es auch die Blumenhalle und die Gastronomie.

©  Lichtschwärmer, Christo Libuda | hutterreimann Landschaftsarchitektur Das „Kalkwäldchen“ verweist auf den Standort eines historischen Kalkofens. 

Aus kalkliebenden Gehölzen und Stauden entsteht im Zusammenspiel mit Kalksteinplatten und -splitt ein ungewöhnlicher, blendender Gartenraum in Erinnerung an diesen wichtigen Bestandteil der Zuckerproduktion.

©  Lichtschwärmer, Christo Libuda | hutterreimann Landschaftsarchitektur Entlang des „Schrägen Wäldchens“, eines geordneten Birkenhaines, den neuen Hang ins Tal überspannend, geleitet die Promenade hinunter in den Talraum zu den fünf ehemaligen Rübenwaschwasserabsetzbecken.Sie werden behutsam zu erlebbaren Wassergärten ... 

©  Lichtschwärmer, Christo Libuda | hutterreimann Landschaftsarchitektur ... und Spielräumen (Zuckerhügel, Zuckerwürfel - im Bild), den so genannten „Setzgärten“ transformiert. 

©  Lichtschwärmer, Christo Libuda | hutterreimann Landschaftsarchitektur Dem Verlauf der Promenade folgend erschließt sich der Talraum mit stillen Rückzugsorten am Löbauer Wasser, wie der Mühleninsel, begrenzt vom Löbauer Wasser und dem Viadukt. 

Dann öffnet er sich zu den Löbauer Wiesen, begrenzt durch die Kulisse des waldigen Stadthanges und der Altstadt.

©  Lichtschwärmer, Christo Libuda | hutterreimann Landschaftsarchitektur Mit einem gepflasterten Platz aus regionalem Basaltpflaster endet die Berg- und Talpromenade am Übergang zur östlichen Altstadt. 

Auf dem Platz wird die aus der Nutzung gefallene, historische Eisenquelle des nahe gelegenen, ehemaligen König-Albert-Bades als schmaler, eiserner Wasserlauf mit einfachen Mitteln sichtbar wiederbelebt.

©  Lichtschwärmer, Christo Libuda | hutterreimann Landschaftsarchitektur Zuckerhügel 

Landesgartenschau Löbau (Sachsen) 2012


Im Rahmen der Landesgartenschau wird eine ehemalige Zuckerfabrik und die Tallage des Löbauer Wassers als zusammenhängender “Park am Löbauer Wasser” entwickelt.

Die Landesgartenschau Löbau 2012 in Sachsen gibt den Anlass, das industriell geprägte Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik und brachgefallener Textilindustrien wieder in den Stadtkörper einzugliedern und zu revitalisieren.

In Löbau werden die Bestandsrelikte, im Sinne einer Bricolage, einer Bastelarbeit, in einen neuen Kontext gestellt. Der Ort wird reorganisiert: Die ursprüngliche Nutzung, bereits verblasst, wird nicht negiert, sondern durch Addition neuer Elemente einer neuen Bedeutung zugeführt, die den Bezug zum historischen Kontext sucht.
So entsteht eine neue Sichtweise auf Altbekanntes und der Zeitsprung von der Industrie- zur Freizeitlandschaft wird sichtbar.

Auf einem Plateau, nahe der Altstadt gelegen, thronte die Zuckerfabrik über dem Talraum des Löbauer Wassers. Von dort eröffnet sich ein grandioser Blick auf den Löbauer Berg mit dem Gusseisernen, einem historischen Aussichtsturm. Die Anlagen, wie der Rübenwaschplatz mit Sprinkleranlage, Wasserrinnen, Kalkofen und Rübenwaschwasserabsetzbecken besetzen das Plateau, den Hang und das Tal. Im weiteren Verlauf des Flusstales waren bis in die 90er Jahre hinein mehrere raumgreifende Textilfabriken angesiedelt, Sie versperrten das Tal und verwehrten den Zugang zum Wasser.

Das Zuckerlager mit seinen eindrucksvollen Innenräumen und verschiedenen anderen ortsprägenden Relikten, wie die Absetzbecken bleiben in Erinnerung an die industrielle Nutzung erhalten und werden in einen neuen Zusammenhang gebracht. Den ver(miss)brauchten Landschaftsraum gilt es mit dem Zuckerplateau und der Altstadt zu verknüpfen und in einen Freizeit- und Erholungsraum umzugestalten, ohne die Geschichte des Ortes, seine Nutzungsspuren und Narben zu verstecken.

Das topografisch anspruchsvolle Gelände wird über eine neue Wegeverbindung, die Berg- und Talpromenade, erschlossen, vom Zuckerplateau entlang des Löbauer Wassers im Tal bis hin zur Altstadt.

Das Zuckerplateau wird zum großen, offenen, multifunktionalen Platz für Stadtfeste, Zirkus und Konzerte. Das behutsam sanierte Zuckerlager bietet Raum für Veranstaltungen, eine kleine Dauerausstellung erläutert die Prozesse der Zuckerfabrikation. Ein Baumhain aus Zuckerahorn markiert den Beginn der Promenade talwärts.

Der Hain rahmt den zum Rübentower umgedeuteten ehemaligen Betonpfeiler der Rübensortieranlage. Die Rüben wurden in einem tief eingeschnittenen Betonkanal gesammelt und über Laufbänder zur Sortieranlage transportiert. Dieses geheimnisvoll anmutende Industrierelikt wird, mit Königsfarnen bepflanzt, zum prähistorischen versunkenen Garten. Ein im Rahmen der Tiefenenttrümmerung entdecktes ehemaliges Fundament der alten Fabrikhallen wird mit seiner kuriosen „Elefantenhaut“ als Artefakt präsentiert. Das „Kalkwäldchen“ verweist auf den Standort eines historischen, aus Gründen der Sicherheit abgerissenen Kalkofens. Kalk wird als Bestandteil im Produktionsprozess benötigt, um den aus den Zuckerrüben extrahierten Rohsaft mittels der Kalk-Kohlensäure-Reinigung von Nicht-Zuckerstoffen zu trennen. Aus kalkliebenden Gehölzen und Stauden entstand hier im Zusammenspiel mit Kalksteinplatten und -splitt ein ungewöhnlicher, blendender Gartenraum in Erinnerung an diesen wichtigen Bestandteil der Zuckerproduktion.

Entlang des Schrägen Wäldchens, einem großen, geordneten Birkenhain, der den neuen Hang ins Tal überspannt, führt die Promenade hinunter in den Talraum mit den ehemaligen, schroff anmutenden Absetzbecken für das schlammige Zuckerrübenwaschwasser. Die mit rohen Betonwänden gefassten, zeitweise bereits trockengefallenen Becken bleiben erhalten und werden behutsam zu erlebbaren Wassergärten und Spielräumen, den so genannten Setzgärten transformiert.

Ein schmaler Stahlsteg führt über das Wasser. Hier wird der Zucker in seinen verschiedenartigen Aggregatzuständen zum Gestalt gebenden Thema: Auf die trockenen Spielgärten Würfelzucker aus weißen Betonquadern und Zuckerhüte, Spielhügel aus weißem Tartan, folgen Wassergärten mit Puderzucker aus weißen Kunststoffbällen, das Zuckerwasser und im Zuckerrausch endet das süße Vergnügen.

Dem Verlauf der Promenade folgend erschließt sich das Tal mit stillen Rückzugsorten am Löbauer Wasser. Dann öffnet sich der Blick zu den Wiesen, begrenzt durch die Kulisse des waldigen Stadthanges und der Altstadt. Mit einem gepflasterten Platz aus regionalem Basaltpflaster endet die Berg- und Talpromenade am Übergang zur östlichen Altstadt. Auf dem Platz wird die nicht mehr genutzte historische Eisenquelle des nahe gelegenen ehemaligen König-Albert- Bades als schmaler, eiserner Wasserlauf mit einfachen Mitteln sichtbar wiederbelebt.

 


Deutscher Landschaftsarchitektur-Preis 2013

Erster Preis
Juryurteil:
Auf dem Gelände der ehemaligen Löbauer Zuckerfabrik ist eine neue Landschaft entstanden. Als Nachnutzung einer industriellen Brache fügt sich das Projekt nicht nur ebenbürtig in eine Reihe respektabler Vorgänger ein, sondern setzt ganz eigene Maßstäbe. Und diese werden aus dem konkreten Ort entwickelt, aus der topografischen Spannung zwischen dem Tal des Löbauer Wassers und der höhergelegenen Fläche der alten Fabrik.
Das Grundmotiv des Kontrastes dominiert in beeindruckender Weise die Themen des Entwurfes, wobei vor allem die Freiräume am Wasserlauf eine ganz eigene Qualität entfalten. Gerade hier werden die Potentiale deutlich, die die postindustrielle Landschaft bietet, ohne einer plakativen „Renaturierung“ unterworfen zu werden.
Dabei gelingt es den Verfassern, mit vorgefundenen Spuren sensibel umzugehen wie auch ganz eigene Akzente zu setzen. Reste der ehemaligen Industrieanlagen werden nicht nur als aus der Zeit gefallene, nostalgisch anmutende Fragmente interpretiert, sondern in ihrer skurrilen Situationskomik lustvoll ausgekostet.
Besonders gelungen wirkt die Inszenierung der Wege durch die neu entstandenen Anlagen. Die großen Höhenunterschiede führen hier nicht zu einer gehorsam geplanten „Verrampung“ der Landschaft, vielmehr werden sie als ein zwar problematisches, aber auch identitätsstiftendes Merkmal akzeptiert. Das Auf und Ab der Routen bietet somit vielfältigste Raumerlebnisse, lässt Eltern schwitzend Wagen schieben und hält auch die Älteren in sportlicher Form.

 


Garten des Monats • Jahrgang 2012

August 2012

 


Planungsbeteiligte Partner • Bauausführende Firmen

Sanierung Zuckerlagerhalle
thoma architekten ( Zeulenroda, Berlin)


Wasserbau und Tragwerksplanung
IBOS GmbH, Görlitz


Pflanzplanung Stauden/Gräser
Christian Meyer, Berlin


Wechselflor
Orel+Heidrich Landschaftsarchitekten, Herzogenaurach


Bauleitung:
Jörg Bresser (Pro Garten) für hutterreimann


Am Bau Beteiligte:
STL Bau GmbH & Co. KG, Löbau, mit Bohr Garten- und Landschaftsbau, Weißenberg, Särka und Metallbau Schmiedemeister Bernd Seel, Löbau

 


Weitere Informationen im Internet

Stadt Löbau

Planung

hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH
Barbara Hutter, Stefan Reimann

Möckernstraße 68
10965 Berlin


Projektinformationen

Projektzeitraum
2009 - 2012

Größe
140.000 m²

Auftraggeber • Bauherr
Landesgartenschau Löbau 2012 gGmbH

Adresse

Löbau


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