Entwicklungsgebiet Rummelsburger Bucht

1234567891011121314

Rundgang schließen

©  Dirk Laubner | SenStadtWohn Beriin Rummelsburger Bucht 

©  TDB Landschaftsarchitektur Wohnstraße 2002 

©  TDB Landschaftsarchitektur Wasserfest 2017 

©  TDB Landschaftsarchitektur Blick auf Treptower 2017 

©  TDB Landschaftsarchitektur Uferpromenade 2017 

©  TDB Landschaftsarchitektur Sonnenuntergang an der Uferpromenade 2017 

©  TDB Landschaftsarchitektur Promenadenbank 2009 

©  TDB Landschaftsarchitektur Medaillonplatz 2008 - ehemaliges Waisenhaus 

©  TDB Landschaftsarchitektur Berlin Campus 2009 - ehemaliges Gefängnis Rummelsburg 

©  TDB Landschaftsarchitektur Anger mit Mulden 2007 

©  TDB Landschaftsarchitektur 24 Stunden-Anleger 2017 

©  TDB Landschaftsarchitektur Masterplan 1994 

©  TDB Landschaftsarchitektur Gutachterverfahren 1992 

©  TDB Landschaftsarchitektur Aktualisierter Masterplan 2007 

Entwicklungsgebiet Rummelsburger Bucht Ein Kapitel städtebaulich, freiraumplanerischer Entwicklung im Berlin der Nachwendezeit


Die erstaunliche städtebauliche und freiraumplanerische Entwicklung der Flächen um den Rummelsburger See sowohl auf der Lichtenberger wie auch der Stralauer Seite lässt sich am Bestens chronologisch schildern, wobei das Augenmerk der Chronologie auf der Rummelsburger Seite liegt.

1945-1989
Bis zur Wende 1989 waren die Flächen um den Rummelsburger See auf der Lichtenberger und Stralauer Seite der Bevölkerung in weiten Bereichen nicht zugänglich. Das Gefängnis Rummelsburg als Ort des Zwanges und der Drangsal in vier politischen Systemen (Kaiserreich, Weimarer Republik, NS-Zeit und DDR) war Speergebiet.

1992
Berlin bewarb sich um die Olympischen Spiele im Jahre 2000. Die Rummelsburger Bucht war wegen der sehr günstigen Verkehrserschließung (Bahnknoten Ostkreuz) als ein Wohnstandort für die Teilnehmer bei den Olympischen Spielen ausersehen, nach den Spielen sollten Wohnungen für ca. 20.000 Menschen entstehen. Die Wachstumsprognosen der Zeit schienen diesen Wohnungsbedarf zu rechtfertigen.

In einem internationalen, städtebaulich-freiraumplanerischen Gutachterverfahren, welches sich über die Lichtenberger Seite des Rummelsburger Sees und die Halbinsel Stralau im Bezirk Friedrichshain erstreckte, gingen die Vorschläge der Arbeitsgemeinschaften Herman Hertzberger und des Ateliers Loidl für den Bereich Stralau und von Prof. Klaus Theo Brenner und Karl Thomanek für die Rummelsburger Seite als Favoriten hervor.

Der Entwurf von Brenner / Thomanek sah einzelne, dicht bebaute Quartiere von eigener städtebaulicher Identität (Mäander, offene und geschlossene Blöcke) vor, die in den Landschaftsraum eingebettet, einen unmittelbaren Bezug zum Wasser aufwiesen. Westlich der S-Bahn setzte sich der Rummelsburger See, der ein Altarm der Spree ist, als Landschaftsraum in Gestalt eines Stadtparks fort, flankiert an der nördlichen Seite von einem hohen Gebäudemäander. Die Bestandsgebäude des Gefängnisses Rummelsburg sollten mit einer öffentlichen Nutzung belegt werden. Vom Bahnhof Ostkreuz kommend führte eine städtische Uferpromenade entlang des Geschosswohnungsbaus in die landschaftlich gehaltenen Uferpartien nach Osten. Die Gleichwertigkeit von Städtebau und Landschaftsraum war konstituierend für den Entwurf. Der von Klaus Theo Brenner geprägte Begriff der ‚Städtischen Landschaft‘ bringt die Programmatik des Entwurfs auf den Punkt.

1994
Nach dem kläglichen Scheitern der Olympiabewerbung im Herbst 1993 ließ der für die Rummelsburger Bucht verantwortliche, städtische Entwicklungsträger 1994 die städtebauliche Dichte in einem Masterplan ändern. Die in die Landschaft eingebetteten Quartiere wurden zugunsten zum Wasser geöffneter Blöcke, den sog. Hofgärten modifiziert. Die Hofgärten umfassten die gemeinschaftlichen Freiflächen der Bewohnerschaft in den jeweiligen Blöcken.

Gleichzeitig wurde als einem der ersten Bauprojekte in der Stadt ein Regenwassermanagement mit straßenbegleitenden Mulden entwickelt, die das Oberflächenwasser aufnahmen.

Ein Uferwanderweg führte weit nach Osten entlang eines unter Naturschutz stehenden Uferstreifens mit dichter Auenwaldvegetation und einem Schilfgürtel, der mit der aufwändigen Sanierung des stark belasteten Wassers des Rummelsburger Sees angelegt wurde.

2007
Die ungünstigen Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung Berlins nach der Jahrtausendwende führten zu einer Änderung des baulichen Programms. Unter größtmöglicher Beibehaltung der städtebaulichen Figur wurden an Stelle des Geschosswohnungsbau die Blöcke zugunsten einer privaten Bebauung parzelliert. Dieses attraktive Modell mit Stadthäusern und Gärten wurde von privaten Investoren begeistert aufgenommen, so dass sich das Gebiet in wenigen Jahren zu seiner jetzigen Gestalt entwickelte. Die Überlegungen, die Gebäude des Gefängnisses Rummelsburg mit einer öffentlichen Nutzung zu belegen, wurden zugunsten von Wohnungen aufgegeben.

2017
Die Rummelsburger Bucht hat sich als ein besonderes Wohnquartier mit hoher Lagegunst etabliert. Sie wird bestimmt durch eine überdurchschnittlich gute Architektur und der selbstverständlichen Einbeziehung alter Bausubstanz mit den zu Wohnungen umgewandelten ehemaligen Waisenhäusern und Zellentrakten des Gefängnisses. Das Gebiet weist eine homogene Bevölkerungsstruktur der oberen Mittelschicht auf, während die öffentlichen Freiflächen am Wasser wie die Promenade, der Uferweg, der Bootsanleger und die Aussichtsplattform von der gesamten Bevölkerung Lichtenbergs und darüber hinaus stark frequentiert werden.

Auffällig ist der pflegliche und gelassene Umgang der Menschen mit dem Freiraum. Dies ist einerseits der engagierten Bewohnerschaft geschuldet, aber auch den zahlreichen Besuchern, die aufmerksam mit den Anlagen umgehen und sie für ihre Erholung erhalten wissen wollen.

An warmen Sommerabenden an den Ufern des Sees zu sitzen, die Weite der Wasserfläche mit der Silhouette auf Stralau vor sich zu sehen und den Sonnenuntertag zu beobachten, gehört zu den Besonderheiten der Rummelsburger Bucht. In der Stadt zu sein und gleichzeitig anderswo, zeichnet den Ort aus. Wo gibt es dies noch einmal in Berlin?

Allerdings muss abschließend die Frage erlaubt sein, ob heute angesichts der Suche nach stadtnahen Bauflächen mit optimaler verkehrlicher Anbindung für eine schnell und stetig wachsende Bevölkerung die im Masterplan formulierte Idee eines qualitätsvollen Geschosswohnungbaus im Sinne des Gebäudetyps ‚Hofgarten‘ nicht doch die richtige Entscheidung gewesen wäre?

 


Planungsbeteiligte Partner • Bauausführende Firmen

Städtebaulicher Wettbewerb & Masterplan
Prof. KT Brenner

Planung

TDB Landschaftsarchitektur
Karl Thomanek, Hiltrud Duquesnoy, Eva-Maria Boemans

Hauptstraße 23-24
10827 Berlin


Projektinformationen

Projektzeitraum
1993 - 2007

Größe
12 ha

Auftraggeber • Bauherr
Wasserstadt GmbH

Adresse

10317 Berlin


Projekt auf Karte anzeigen

 

Video schließen

Anfang

Übersicht schließen