Gendarmenmarkt Berlin

Zeitblende schliessen  (x)

1688 - 1773

1774 - 1870

1871 - 1935

1936 - 1945

1945 ...

Timeline

© 2009 Grafik: Rehwaldt Landschaftsarchitekten | Landesarchiv Berlin

1727

© 2009 Grafik: Rehwaldt Landschaftsarchitekten | Landesarchiv Berlin

1747

© 2009 Grafik: Rehwaldt Landschaftsarchitekten | Landesarchiv Berlin

1747

© 2009 Grafik: Rehwaldt Landschaftsarchitekten | Landesarchiv Berlin

1748

Kirchhof und Marktplatz

Im Zuge des Bevölkerungswachstums der aufstrebenden preußischen Residenzstadt Berlin erfolgten seit 1688 erste Überlegungen für eine Stadterweiterung südlich der Dorotheenstadt. Die Absteckung des in quadratische und rechteckige Baublöcke unterteilten Straßenplanes erfolgte unter der Leitung von Johann Arnold Nehring (1659-1695) bis etwa 1695 mit der heutigen Friedrichstraße als zentraler, von Nord nach Süd gerichteter Erschließungsachse.

weiterlesen

In der sich anfänglich noch langsam entwickelnden Friedrichstadt bot sich die Möglichkeit, die seit dem Edikt vom 8. November 1685 verstärkt nach Berlin ziehenden französischen Hugenotten beim Aufbau einer eigenen Gemeinde zu unterstützen. Den sich hier ebenfalls niederlassenden, aus der Schweiz emigrierten Calvinisten war bereits um 1690 eine Fläche zur Anlage des so genannten „Schweizer Friedhofes“ zugewiesen worden, die sich westlich der bestehenden Festungsanlagen befand. In diesem Bereich waren drei Baublöcke – vermutlich für die Anlage eines Marktplatzes – frei gehalten worden. Auf dem nördlichen Block wies Kurfürst Friedrich III. im Jahre 1699 den Hugenotten einen Bauplatz für deren Kirche zu. Der südliche Block, der zum Teil bereits als Friedhof diente, wurde der Deutschen Gemeinde als Kirchbauplatz mit der Auflage übergeben, dass die zu erbauende Kirche auch von den Schweizer Calvinisten zur Abhaltung von Gottesdiensten genutzt werden darf.

Der Architekt Jean Louis Cayart (1645-1702), ein hugenottischer Oberst und Festungsbaumeister in preußischem Dienst, entwarf die Französische Kirche nach dem Vorbild der 1688 zerstörten hugenottischen Hauptkirche von Charenton. Die Planung der Deutschen Kirche beruhte auf einem Entwurf von Martin Grünberg (1655-1707), der zusammen mit Heinrich Behr die Aufsicht über die Bebauung der Friedrichstadt hatte. Mit der Erbauung der Kirchen begann man im Jahr 1701. Während die Französische Kirche bereits vier Jahre später eingeweiht werden konnte, zog sich die Fertigstellung der Deutschen Kirche bis 1708 hin. Obwohl die im Erscheinungsbild unterschiedlich wirkenden Gebäude von Beginn an von Friedhöfen umgeben waren, fanden auch in den Kirchen Beisetzungen statt.

Dem hugenottischen Regiment Gens d´Armes wurde ab 1710 ein neues Quartier auf dem Platz zugeteilt, nachdem ihr ursprünglicher Standort im alten Marstall für andere Zwecke benötigt wurde. Die Stallungen errichtete man östlich der den Platz in Richtung Befestigungsanlagen begrenzenden heutigen Markgrafenstraße. Aufgrund der ständigen Vergrößerung des Regiments waren jedoch schon bald zusätzliche Stallanlagen erforderlich, die 1733 um den Friedhof an der Französischen Kirche und zwei Jahre später um den Friedhof der Deutschen Kirche errichtet wurden. Der alte Stall konnte mit Schleifung der Festungsanlagen und Anlage der Jägerbrücke im gleichen Jahr abgebrochen werden.

Bereits im März 1726 wurde festgelegt, dass der Platz zwischen den beiden Kirchen als Markt genutzt werden soll. Das „Project zur Anlegung des Marcts auf der Friedrich Stadt” sah folgende Anlagen vor: Die zu den Kirchen gewandten Längsseiten sollten jeweils mit fest aufgemauerten Marktständen begrenzt werden. Beiderseits eines in der Mittelachse gelegenen Durchgangs waren jeweils zwölf „Scharren“ (Verkaufsstände) vorgesehen, wobei die im Norden gelegenen den Bäckern und die südlichen den Schlachtern vorbehalten waren. An den Schmalseiten vermerkt der Plan Flächen für fliegende Bauten der Obst- und Gemüsehändler. Die Platzmitte sollte ein von elf Bäumen beschatteter Brunnen einnehmen, um den neun Bottiche für den Fischverkauf angeordnet waren.

Aus Stadtplänen geht hervor, dass nur ein ganz geringer Teil der Marktstände realisiert wurde und die weitere Ausgestaltung ausblieb. Als Bezeichnung des Platzes waren der „Neue Markt” und der „Mittel- Markt” ebenso üblich wie „Friedrichstädtischer Lindenmarkt”. Der spätere, auf die militärische Nutzung zurückzuführende Name „Gendarmenmarkt“ wurde erst Ende der 1770er Jahre gebräuchlich.
Etwa zu dieser Zeit hatte das Regiment Gens d´Armes ein neues Lager außerhalb der Stadt bezogen und wurde 1773 in der neu erbauten Kaserne vor der Weidendammer Brücke einquartiert. Der Abbruch der Stallungen, die zusammen mit den militärischen Übungen des Regiments schon immer das Markttreiben auf dem Platz ebenso wie das kirchliche Leben und die Nutzung der beiden Friedhöfe empfindlich gestört hatten, zog sich jedoch noch bis 1778 hin.

↑ weniger | nach oben

© 2009 Grafik: Rehwaldt Landschaftsarchitekten | Landesarchiv Berlin

1782

© 2009 Grafik: Rehwaldt Landschaftsarchitekten | Landesarchiv Berlin

1800

© 2009 Grafik: Rehwaldt Landschaftsarchitekten | gemeinfrei

1815 www.wikipedia.org

© 2009 Grafik: Rehwaldt Landschaftsarchitekten | Landesarchiv Berlin

1818

Entwicklung zum Architekturplatz

Der Abzug des Regiments Gens d´Armes stellte einen bedeutenden Wendepunkt in der weiteren Entwicklung des Platzes dar. Dieser Umstand sowie die Auflassung des Friedhofes an der Deutschen Kirche im Jahre 1762 ermöglichten neue Überlegungen zur baulichen Weiterentwicklung der Friedrichstadt an der bisher städtebaulich vernachlässigten Nahtstelle zum alten Zentrum, welche bereits seit einiger Zeit über die Jägerbrücke und die Jägerstraße direkt miteinander verbunden waren.

weiterlesen

So trieb Friedrich II. die städtebaulich-architektonische Aufwertung und Erneuerung des Gendarmenmarktes ab 1774 vehement voran. Ein von Bartholomé Robert Bourdet (1719-1799) entwickeltes Projekt, das eine völlig einheitliche, in barocken Formen gestaltete Umbauung des gesamten Platzes vorsah, wurde jedoch nicht realisiert. Demnach wären die beiden Gotteshäuser vollständig in die Fassaden einbezogen worden und hätten eine ganz neue Außenerscheinung erhalten. Bedeutend einfacher fielen dagegen die gut 20 Häuser aus, die schließlich als neue Randbebauung nach den Plänen von Georg Christian Unger (1743-1799) und Carl Philipp Christian von Gontard (1731-1791) bis 1785 errichtet wurden.

Eine weitere Voraussetzung für eine Ausgestaltung und neue Nutzung des Platzes war die Verlegung der Friedhöfe an den beiden Kirchen. Die Neuordnung des Bestattungswesens unter hygienischen Aspekten war in den 1730er Jahren mit der Verlegung der ersten Friedhöfe vor das Hallesche Tor eingeleitet worden. Die Gemeinde der Deutschen Kirche erhielt bereits 1763 in der Chausseestraße vor dem Oranienburger Tor nördlich der Stadt einen neuen Begräbnisplatz zugewiesen. Dorthin erfolgte schließlich 1780 auch die Verlegung des Friedhofes der Französischen Gemeinde in direkter Benachbarung zum schon bestehenden der Deutschen Gemeinde.

Das neue bauliche Zentrum des Platzes sollte auf dem mittleren Platzsegment ein neuer Theaterbau bilden, der 1774 für die Französische Komödiantentruppe errichtet wurde. Dieses von Georg Christian Unger entworfene und unter Leitung Georg Friedrich Boumanns (1737- nach 1812) über rechteckigem Grundriss errichtete Gebäude ordnete man an der westlichen Platzgrenze zwischen den beiden Kirchen an. Das als bescheiden zu bezeichnende Haus erhielt eine spätbarocke Tempelfassade an seiner nach Osten weisenden Eingangsfront.
Als weit grandiosere, durch Friedrich II. veranlasste Maßnahme zur städtebaulichen Aufwertung des Platzes und seines Umfeldes ist die Errichtung der Turmbauten zu betrachten, die zwischen 1780 und 1785 nach Plänen von Gontard und unter Leitung Ungers und Boumanns den beiden Kirchen jeweils östlich vorgelagert worden sind. Die über kreuzförmigem Grundriss errichteten Turmbauten erhielten eine spätbarocke Fassadengestaltung, die strenger Zentralsymmetrie unterworfen war. Die hohen Säulenhallen, die den drei freien Seiten der Türme angelagert wurden, bildeten mit ihren von je sechs korinthischen Säulen getragenen Dreiecksgiebeln das den Platz prägende Architekturmotiv, das in deutlich zurückhaltender Ausformung auch die Hauptfront des Komödienhauses zierte.

Den beiden Kirchenbauten kam nun durch die auftrumpfenden Turmbauten eine neue repräsentative Stellung auf dem Platz zu, auch wenn die Türme damals keine Funktion besaßen. Die Kirchen, die auf den jeweiligen Platzdritteln bisher eine ungleiche Stellung einnahmen, fanden mit Hilfe der Turmbauten eine neue Verankerung auf dem Platz, wobei die Ostfassaden nun in gleicher Linie lagen. Hiermit wurde eine städtebaulich klare Kante zu den gegenüber liegenden Baufronten entwickelt. Friedrich II. verwirklichte mit den Turmbauten ein Projekt zur städtebaulichen Aufwertung der Residenzstadt, das seine Vorbilder und Ziele im französischen Absolutismus und dessen Repräsentationsbauten suchte.

Etwa zur gleichen Zeit erfolgte auch die Befestigung der den Platz umgebenden Straßen, also der Charlottenstraße im Westen, der Französischen Straße im Norden, der Markgrafenstraße im Osten und der Mohrenstraße im Süden sowie der Jäger- und Taubenstraße, die den Platz in drei Quartiere unterteilten. Die einzelnen Platzflächen waren mit Kopfsteinpflaster befestigt. Dabei waren die Flächen an den Kirchen, auf welchen weiterhin Markttage abgehalten wurden, mit eisernen Pfosten zu den umgebenden Bürgersteigen abgetrennt.

Das erste Komödienhaus sollte sich schon bald als zu klein erweisen, so dass man die Errichtung eines neuen Hauses beschloss. Nach einem 1798 von Carl Gotthard Langhans (1732-1808) vorgelegten Entwurf wurde am westlichen Platzrand, ausgerichtet auf die beiden alten Kirchenbauten, ein langgestrecktes Gebäude über rechteckigem Grundriss errichtet, in dem am Neujahrstag 1802 im Beisein des Königs Friedrich Wilhelm III. die erste Aufführung stattfinden konnte. Der in den strengen Formen des Frühklassizismus gestaltete Bau nahm mit seinem die Ostfassade bestimmenden Portikus erneut das an den Türmen vorgegebene, den Platz prägende Architekturmotiv in neuer Ausformung auf. Die Lage am westlichen Platzrand war bewusst gewählt worden, um die Seitenportiken der Türme frei zu halten und gleichzeitig einen großzügigen, an drei Seiten von Solitärbauten gefassten Platzraum auszuformen sowie den Raum zwischen den Kirchen im Westen zu schließen.

Doch schon 1817 zerstörte ein Großbrand den Bau von Langhans. Infolge dessen erhielt Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) als Mitarbeiter der Königlichen Baudeputation den Auftrag für den Neubau eines Nationaltheaters, der bis 1821 verwirklicht werden konnte. Das in klassizistischen Formen durchgebildete Gebäude entstand auf den Fundamenten des Vorgängerbaus.

Auch Schinkel übernahm das von sechs Säulen gestützte Portikusmotiv und entwickelte durch Höhenstaffelung und kulissenartiges Hervortreten der Baukörper den Haupteingang des Theaters zu dem den Platz beherrschenden Zentrum. Damit waren die drei repräsentativen Gebäude am Gendarmenmarkt etabliert, die auch heute noch das Erscheinungsbild prägen.

Auf dem Platz selbst wurden weiterhin Markttage abgehalten, daneben war er Schauplatz von Kundgebungen und politischen Versammlungen. Für die abendliche Beleuchtung wurden Laternen aufgestellt und zur Reinhaltung des Marktbetriebes Wasserpumpen installiert.

↑ weniger | nach oben

© 2009 Grafik: Rehwaldt Landschaftsarchitekten | Landesarchiv Berlin

1872

© 2009 Grafik: Rehwaldt Landschaftsarchitekten | Landesarchiv Berlin

1880

© 2009 Grafik: Rehwaldt Landschaftsarchitekten | Landesarchiv Berlin

1890

© 2009 Grafik: Rehwaldt Landschaftsarchitekten | http://hdl.loc.gov/loc.p np/ppmsca.00346

1895

© 2009 Grafik: Rehwaldt Landschaftsarchitekten | Landesarchiv Berlin

1899

© 2009 Grafik: Rehwaldt Landschaftsarchitekten | Landesarchiv Berlin

1920

© 2009 Grafik: Rehwaldt Landschaftsarchitekten | Landesarchiv Berlin

1930

Gärtnerischer Schmuckplatz

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und bis zur Jahrhundertwende vollzog sich eine durchgreifende Veränderung der Platzrandbebauung. Viele der anliegenden Häuser wurden im Rahmen des gründerzeitlichen Aufschwungs aufgestockt, umgebaut oder abgebrochen und durch deutlich größere und prächtigere Neubauten ersetzt. Es entstanden vornehmlich Geschäftshäuser, Bank- und Bürogebäude, die zu Veränderungen der Stadtgestalt wie auch der Bevölkerungsstruktur rund um den Gendarmenmarkt führten.

weiterlesen

In dieser Zeit wurden die inzwischen reparaturbedürftigen Kirchenbauten instandgesetzt und dabei auch im äußeren Erscheinungsbild verändert. 1881 wurde zunächst die Deutsche Kirche unter Hermann von der Hude (1830-1908) auf altem Grundriss neu errichtet. Während die Gestaltung der Außenfassaden unverändert übernommen wurde, stattete man den Innenraum in neobarocken Formen aus und überwölbte das Gotteshaus mit einem weithin sichtbaren Kuppeldach. 1904 erfolgte unter Otto March (1845-1913) der Umbau der Französischen Kirche, die in ihrer äußeren Gestalt nur wenig verändert wurde. Der Dreiecksgiebel an der zur Charlottenstraße gerichteten Westfront stellt die wohl auffälligste architektonische Neuerung dar.

Die städtebaulichen Veränderungen sowie die geänderten Nutzungen der umliegenden Bauten und die teilweise damit verbundenen gesellschaftlichen Umwälzungen in der Bewohnerschaft ließen bereits 1853 die Forderung nach Baumpflanzungen und gärtnerischen Anlagen auf dem Gendarmenmarkt laut werden. Im März des Jahres wurde in einem “Circular im Gensdarmenmarkt-Bezirk” aufgerufen, eine Verschönerung “durch Park-Anlagen, event. Linden-Alleen (...) um den ganzen Platz, vielleicht auch Lindenlauben: unbeschadet des Marktverkehrs” zu unterstützen. Dieser auch in finanzieller Hinsicht an die Anrainer gerichtete Aufruf blieb jedoch ohne Folgen.

Erst im Zusammenhang mit der Aufstellung eines Denkmals für den Dichter Friedrich Schiller sollte es zu einer gärtnerischen Ausschmückung kommen. Anlässlich des 100. Geburtstages wurde am 10. November 1859 vor dem Schauspielhaus ein Grundstein für ein Denkmal gelegt, das nach dem Willen des Denkmalkomitees am 110. Geburtstag Schillers enthüllt werden sollte. An dem daraufhin ausgelobten Wettbewerb beteiligten sich 25 Künstler. Nach längeren Begutachtungen und Diskussionen entschied sich der Magistrat für den Entwurf des Bildhauers Reinhold Begas (1831-1911), den dieser auf Wunsch des Komitees nochmals modifizierte. Wegen des Deutsch-Französischen Krieges verzögerte sich die Enthüllung des Denkmals und konnte schließlich am 10. November 1871 stattfinden. Zum Ende dieses Jahres erfolgte die Benennung des vor dem Schauspielhaus und zwischen Jäger- und Taubenstraße gelegenen Bereiches des Gendarmenmarktes in „Schillerplatz“.

Mit der Enthüllung des Schiller-Denkmals war auch die gärtnerische Ausgestaltung des vor dem Schauspielhaus gelegenen Bereiches durch die Berliner Gartenverwaltung realisiert worden. Ein gestrecktes Wegekreuz untergliederte den Platz in vier Dreiecksflächen, die als Rasenstücke angelegt und mit Gehölzgruppen bepflanzt wurden. Das im Zentrum stehende und mit aufwändigem Gitterwerk eingehegte Denkmal führte zu einer starken Betonung der Mittelachse des gesamten Areals. Vor der Freitreppe des Theaters diente ein quer verlaufender Weg zu dessen Erschließung. Die Neugestaltung des Mittelteils verdeutlichte in der damaligen Form die seit Beginn bestehende Dreiteilung des Gendarmenmarktes durch Jäger- und Taubenstraße.

Die die Kirchen umgebenden Pflasterflächen dienten weiterhin zu Marktzwecken, bis im Jahre 1886 der Betrieb in die neu geschaffenen Zentralmarkthallen verlagert wurde. Erst jetzt war die Voraussetzung geschaffen, die Gestaltung des Platzes in seiner Gesamtheit zu überdenken. So legte der damalige Stadtgartendirektor von Berlin, Hermann Mächtig (1837-1909), schließlich im August 1893 einen Entwurf für die gärtnerische Ausgestaltung vor, der kurz darauf zur Ausführung genehmigt und bis 1895 ausgeführt wurde.

Die inzwischen hoch aufgewachsenen Gehölze vor dem Theater wurden entfernt und ein großzügiger, auf die Freitreppe ausgerichteter Zugangsbereich geschaffen, dessen Zentrum nach wie vor das Schiller-Denkmal bildete. Dieser breite Vorplatz wurde in der Art eines Teppichs von aufwändigen Schmuckpflasterungen gerahmt und beiderseits von lang gestreckten Rasenflächen gefasst. Auf den Rasenspiegeln befanden sich jeweils runde Springbrunnenbecken sowie üppig bepflanzte Blumenbeete. Auf diese Weise entstand ein repräsentativer Platzbereich, hinter dem die Schaufassade des Schauspielhauses voll zur Wirkung kam.

Die Gliederung der Gartenanlagen an den beiden Kirchen berücksichtigte eine Durchwegung aus allen Richtungen, wobei eine Umfahrung jeweils zur Versorgung der Gebäude diente. Vor den Kirchen an der Markgrafenstraße wurden trapezförmig sich erweiternde Rasenteppiche angelegt, die symmetrisch gestaltete Blumenbeete und seitlich angeordnete Strauchgruppen zierten. Die eher organisch und malerisch wirkenden Pflanzflächen verwischten die ungleiche Stellung der Kirchen auf den jeweiligen Platzbereichen.

Lang gestreckte oder linsenförmige Rasenteppiche, die beiderseits einer durch das Gebäude gedachten Symmetrieachse angeordnet waren, umgaben den Deutschen Dom. Höhenmäßig von Ost nach West gestufte Gehölzgruppen lagen locker im Rasen verteilt. Sie umfingen zusammen mit einigen wenigen Bäumen das Bauwerk und bildeten zugleich den räumlichen Abschluss des Platzes nach Westen und Süden. Die Anlagen am Französischen Dom waren nach dem gleichen Prinzip aufgebaut. Bedingt durch die asymmetrische Gebäudelage auf der Platzinsel befand sich ein breiter Rasenstreifen im Norden entlang der Französischen Straße.
Alle Vegetationsinseln wurden von niedrigen Eisenbarrieren eingefasst. Mastleuchten dienten zur nächtlichen Illumination. Hinter den Kirchen befanden sich jeweils zwei Laternen auf kreisrunden Inseln innerhalb der Umfahrung. Während die Umfahrungen aus Asphalt hergestellt wurden, wiesen alle anderen Wege eine farblich abgesetzte Pflasterung auf. Auf den erwähnten Inseln sowie auf Wegeerweiterungen befanden sich Schmuckpflasterungen in Rosettenformen.

Der Gendarmenmarkt präsentierte sich nach der gärtnerischen Ausgestaltung als ein zeittypischer, mit reichen Blumenpflanzungen und handwerklich hervorragenden Zierpflasterungen ausgestatteter Schmuckplatz des ausgehenden 19. Jahrhunderts, der auf die repräsentative Wirkung der Baulichkeiten Bezug nahm. Das Schiller-Denkmal und die hohen Springstrahlen der Brunnenbassins bildeten die Fixpunkte der Gartenanlage.

Die Platzgestaltung erfuhr in der Folgezeit einige Vereinfachungen, die sich vornehmlich auf die Blumenausstattung bezogen. Auch einzelne zu hoch aufwachsende Strauchgruppen wurden entfernt, sodass etwa seit 1920 schlichte, von niedrigen Eisengittern gefasste Rasenflächen das Erscheinungsbild dominierten. Diverse Ruhebänke luden Passanten zum Verweilen ein.

↑ weniger | nach oben

© 2009 Grafik: Rehwaldt Landschaftsarchitekten | gemeinfrei

1935 Zentralblatt der Bauverwaltung, Jg. 55

© 2009 Grafik: Rehwaldt Landschaftsarchitekten | SLUB Dresden, Deutsche Fotothek

1938

© 2009 Grafik: Rehwaldt Landschaftsarchitekten | Freifläche und Erschließung Platz der Akademie, IVE Berlin 1978 (Landesdenkmalamt Berlin)

1978

Aufmarschplatz während der NS-Diktatur

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann unmittelbar eine durchgreifende Neuorientierung in Städtebau und Architektur, welche vollständig den propagandistischen Zielen der totalitären Machthaber unterworfen wurde. In Berlin als Reichshauptstadt wurden sehr rasch repräsentative Bauvorhaben und Umgestaltungsmaßnahmen ergriffen, die zur Selbstinszenierung wie zur Darstellung eines angeblich weltoffenen Deutschlands im Zusammenhang mit den 1936 hier ausgetragenen Olympischen Spielen dienen sollten. Im alten Zentrum erfolgte die Umgestaltung wichtiger Plätze, die auch den Lustgarten und Wilhelmplatz sowie den Gendarmenmarkt betrafen. Gerade hier ermöglichten die Bauten des friderizianischen Barocks und der Schinkel-Zeit eine Demonstration “vaterländischer Bautradition”. Die Platzumgestaltungen dienten neben der Präsentation der angeeigneten Baugeschichte vornehmlich als Aufmarschplätze bei propagandistischen Veranstaltungen.

weiterlesen

Die Planung für den Gendarmenmarkt sah eine Abräumung der Grünflächen entlang der Markgrafenstraße und eine flächendeckende Pflasterung vor. Während sie am Schauspielhaus bis an die Westfassade reichen sollte, waren nördlich des Französischen und südlich des Deutschen Domes noch schmale Grünzonen vorgesehen. Realisiert wurde 1935/36 schließlich nur die Platzfläche vor dem Schauspielhaus, die mit dunkel- und hellgrauem Pflaster in Rasterform befestigt wurde. Das Schiller-Denkmal wurde entfernt. Zufahrten von den Straßen ermöglichten gleichzeitig die Nutzung als Parkplatz für Kraftwagen.

Es wurden auch Sanierungs- und Umbauarbeiten am Schauspielhaus selbst durchgeführt. Im Wesentlichen ging es hierbei um die Schaffung neuer Magazinräume. Aus diesem Anlass wurden die Gebäude Charlottenstraße 55 und 56 angekauft und zu Werkstätten und Magazinräumen umgebaut. Als direkte Verbindung diente ein massives Brückenbauwerk in Höhe des ersten und zweiten Obergeschosses, das die Charlottenstraße überspannte.

Während der Zeit des Zweiten Weltkrieges erlitt der Gendarmenmarkt das gleiche Schicksal wie so viele Plätze und Grünanlagen in Berlin. Die meisten Bäume wurden zur Nutzung als Feuerholz gerodet und die einstigen Rasenflächen zum Anbau von Feldfrüchten und Getreide umgebrochen und bewirtschaftet. In den letzten Kriegsmonaten führten die Bombenangriffe der Alliierten zu massiven Schäden an der umgebenden Bebauung sowie an den beiden Kirchenbauten und dem Schauspielhaus. Die Platzflächen scheinen allerdings im Vergleich dazu relativ wenige substanzielle Schäden erfahren zu haben.

↑ weniger | nach oben

© 2009 Grafik: Rehwaldt Landschaftsarchitekten | Landesarchiv Berlin

1978

© 2009 Grafik: Rehwaldt Landschaftsarchitekten | Landesarchiv Berlin

1986

© 2009 R. Eckert

1995

Wiederaufbau und Neudefinition

Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte sich der Gendarmenmarkt trotz der zwischenzeitlichen Nutzung zum Kartoffel- und Mohnanbau in seiner grundsätzlichen Gliederung mit den aus der Zeit von 1895 stammenden Wegeflächen im Bereich der Kirchen, dem 1936 geschaffenen Aufmarschplatz und den die Dreiteilung ergebenden Querstraßen dar. Im Zuge der Enttrümmerung diente der Platz zur Lagerung von Baumaterialien.

weiterlesen

Anlässlich der 250-Jahr-Feier der Akademie der Wissenschaften, die das wiederhergestellte Gebäude der ehemaligen „Preußischen Seehandlung“ an der Ecke Jäger- und Markgrafenstraße bezogen hatte, erfolgte 1950 die Umbenennung des Gendarmenmarktes in „Platz der Akademie“. Ab 1967 begannen die ersten Arbeiten zu Wiederaufbau und Teilrekonstruktion des Schinkel’schen Schauspielhauses. Der Französische Dom wurde mit Ausnahme des Turms 1983 als erstes Gebäude auf dem Platz wiederhergestellt. Zur Wiedereröffnung des Schauspielhauses wurde 1984 der mittlere Platzabschnitt mit einer neuen Oberflächenbefestigung versehen und kurz darauf die Bereiche an der Französischen Kirche mit im Raster gesetzten kleinkronigen Ahornbäumen bepflanzt. Dies geschah im Rahmen eines Projektes zur Freiflächengestaltung, das durch den VEB Ingenieurhochbau für den Magistrat von Berlin, Hauptstadt der DDR, „Aufbauleitung Sonderbauvorhaben“ 1978 entwickelt worden war.

Eine der wesentlichen Gestaltungsideen war die Zusammenfassung des bisher in drei Teilflächen unterteilten Platzes, indem die beiden Querstraßen aufgelöst und die gesamte Fläche um ein bis zwei Stufen gegenüber dem umgebenden Straßenniveau erhöht wurde. Hierdurch konnte eine bis dahin nie vorhandene, übergreifende und ruhige Raumwirkung erzielt werden. Die vollständige Öffnung der Fläche vor dem Schauspielhaus sollte der ungehinderten Überquerung und dem freien Aufenthalt Rechnung tragen. Die Befestigung wurde aus Granitplatten im Verbund mit vorgefertigten Wegeplatten aus Beton hergestellt, in die wiederum gesägtes Mosaikpflaster aus Granit mit Bändern aus dunklen Betonsteinen eingelassen war. Der Wechsel der Platten- und Pflastergrößen ergab zusammen mit den farblich abgesetzten Betonsteinen ein großzügiges Raster mit Bezug auf die Baulichkeiten.

Demgegenüber waren die von kleinwüchsigen Spitz-Ahornen mit kugelförmiger Krone beschatteten Randzonen an den Kirchen als intime Aufenthaltsorte geplant. Blütengehölze entlang der Kirchenfassaden dienten der farblichen Auflockerung. Alle Ausstattungselemente, wie Sitzbänke, Leuchten, Poller etc. wurden im Sinne der von Schinkel entwickelten klassizistischen Formgebung gestaltet, farblich akzentuiert und teilweise mit gusseisernen Zierelementen versehen. Das restaurierte Schiller-Denkmal fand 1989 am ursprünglichen Ort erneut seine Aufstellung.

Der 1983 begonnene Wiederaufbau des Deutschen Doms wurde 1996 vollendet, wobei der Innenausbau des stark kriegsbeschädigten Bauwerkes in modernen Formen erfolgte. Im Zuge dieser Maßnahme wurden im Bereich an der Charlottenstraße gartenhistorische Grabungen durchgeführt. Diese Flächen dienten seit mehr als einem Jahrzehnt der Baustelleneinrichtung und wurden deshalb weitgehend durch Bauzäune und Baustraßen aus großformatigen Betondielen geschützt. Nach deren Abbau wurden mit Hilfe der Freilegungsarbeiten original erhaltene Bauteile und Strukturen der von Mächtig 1895 gestalteten Anlagen gefunden, wie zum Beispiel Pflasterungen, Wegebegrenzungen, Granitbordsteine, Fundamente der ehemaligen Leuchten und Asphaltflächen der einstigen Umfahrung. Diese Befunde ermöglichten zusammen mit dem noch vorhandenen Baumbestand und im Abgleich mit historischen Fotografien und Karten die Wiederherstellung dieses Bereiches entsprechend der Mächtig´schen Planung. Der südwestliche Teil des Gendarmenmarktes stellt sich heute wieder im Zustand der 1920er Jahre mit vereinfachten Pflanzungen dar. Er veranschaulicht im Zusammenhang mit den historischen Fassaden der Deutschen Kirche die geschichtliche Entwicklung dieses wichtigen Berliner Stadtplatzes und steht zugleich in spannungsreichem Kontrast zur Platzgestaltung der 1980er Jahre.

↑ weniger | nach oben

© 2012  | Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Fragmente der vergangenen Phasen

Überlagerungen

Denkmalpflegerische Aspekte flossen sehr intensiv in die fachlichen Diskussionen ein.

weiterlesen

Vor allem das vom Landesdenkmalamt am 02.12.2009 in der Französischen Friedrichstadtkirche durchgeführte Denkmalpflegerische Kolloquium gab wichtige Impulse für die Bewertung der auf dem Platz vorzufindenden historischen Zeitschichten wie auch der Ausstattungselemente. Namhafte Referenten leisteten Beiträge aus unterschiedlichen Perspektiven, die insbesondere für den künftigen Umgang mit dem Gendarmenmarkt wichtige Erkenntnisse lieferten. Dabei stellte sich heraus, dass der Platz einerseits eine sehr prägende historische Entwicklung durchlaufen hat, andererseits gerade auch der heutige Zustand einer ausgewogenen Bewertung unterzogen werden muss.

Als ein gemeinsames, erhaltenswertes Merkmal vieler Perioden wurde einhellig der grosszügige, offene Platzraum betrachtet, der in der jüngsten Fassung durch die Integration von Tauben- und Jägerstraße in die Platzfläche noch hinzugewonnen hat. Kritischer werden dagegen vielfach die Aufkantungen und dichten Baumpflanzungen betrachtet, welche zwar eine gemeinsame Entstehungsgeschichte haben, jedoch sowohl im Kontext der Platzentwicklung wie auch mit Blick auf vergleichbare Plätze eher untypische Gestaltmerkmale darstellen.

In seiner Entwicklung vom steinernen „Architekturplatz“ über den grünen „Schmuckplatz“ bis zum heutigen Zustand wird der Platz ausschließlich als Gesamtheit zu bewerten sein. Nur eine präzise Einordnung in die historischen Zusammenhänge und eine angemessene Würdigung authentischer Zeugnisse können die Grundlage für weitreichende planerische Entscheidungen sein.

Mit einer offenen, ausgewogenen Positionierung von Gehölzen können die reichhaltigen Gebäudefassaden wie eine kostbare Fassung erlebbar gemacht werden. Insbesondere hoch aufgeastete Bäume ermöglichen freie Blickbeziehungen und fügen sich wie selbstverständlich in das urbane Raster ein. Dies erkannte schon Karl Friedrich Schinkel, der in vielen seiner Konzepte für den Berliner Stadtraum dieses Prinzip verfolgte.

↑ weniger | nach oben

 

Zeitblende

Stories

123

Die Platzgestalt - Ein prächtiger Raum

Die Nutzung - Ein Ort für alle Tage

Der Verkehr – Mitten in der Stadt

öffentlicher Planungsprozess

Nutzungskonzept - Respektvoll und flexibel

Verkehr - Mehr Platz am Platz

Gestaltungskonzept - Ein eleganter Raum

Story schließen (x)

Städtebaulicher Kontext

©  Aero West, Cnes/Spot Image, DigitalGlobe, GeoBasis DE-BKG, GeoContent, GeoEye

Raumsystem

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Situation
Luftbild

©  Aero West, Cnes/Spot Image, DigitalGlobe, GeoBasis DE-BKG, GeoContent, GeoEye

Raumsystem - Isometrie

© 2009 Senatsverwaltung für Stadtentwicklung/Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Raumsystem - Plan

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Gendarmenmarkt mit Konzerthaus und Französischem Dom
Bestand

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Blickbeziehungen

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Situation
Bestandslageplan

© 2012 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Oberflächen
Bestand

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Kugelahorn
Bestand

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Steinbank
Bestand

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Poller und Leuchte im Gilly-Stil
Bestand

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Mosaikpflaster und Stampfasphalt
Bestand

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Die Platzgestalt - Ein prächtiger Raum

Die Entstehung des Gendarmenmarktes als ein Element barocker Stadterweiterung prägt noch heute seinen städtebaulichen Charakter. Vor allem im Kontext benachbarter Stadträume wie dem Lustgarten, dem Bebelplatz und dem neu entstehenden Humboldtforum zeigt sich seine eigenständige Identität.

Das Gegenüber der Dombauten und die charakteristische Nord-Süd-Ausrichtung sind wesentliche Merkmale, die den Gendarmenmarkt in besonderer Weise auszeichnen. Wie kein zweiter Platz präsentiert er auf eindrucksvolle Weise die repräsentative Architektur der klassizistischen Epoche. Die Erstreckung über drei Straßenquartiere der Friedrichstadt eröffnet einen weiten städtischen Raum, der die prachtvollen, sehr plastisch gegliederten Gebäude erst richtig zur Geltung bringt.

Vor allem die Treppenanlagen der historischen Bauten unterstützen diese repräsentative Wirkung. Sie sind nicht nur funktionale Zugänge und architektonisches Element, sondern ermöglichen es auch, den Platz aus einer erhöhten räumlichen Perspektive zu betrachten. Gleichzeitig erheben sich damit die Bauten auf einen hohen Sockel, was ihre würdevolle Wirkung noch unterstreicht.

Die in der städtebaulichen Figur ablesbaren Symmetrien sind ein wesentliches Merkmal der Raumgestalt. So stehen sich die Turmbauten mit ihren großzügigen Portiken in respektvollem Abstand gegenüber und geben somit dem Schauspielhaus die Möglichkeit zu seiner vollen architektonischen Wirkung. Die umgebende Platzrandbebauung unterstützt mit ihrer einheitlichen Traufhöhe das Konzept der Solitärbauten und gibt dem Platz einen würdigen Rahmen. So ist es noch heute ein großartiges Erlebnis, wenn man aus dem dichten Straßenraster der Friedrichstadt kommend unmittelbar auf den offenen, weiten Gendarmenmarkt gelangt. Wie in einer kostbaren Schatulle zeigen sich die Bauten in ihrer ganzen Schönheit und lassen sich von allen Seiten bewundern.

Neben den klaren Symmetrieachsen sind auch andere räumliche Merkmale ablesbar, die dem Platzraum zu einer differenzierteren Gliederung verhelfen. Während die östliche Platzhälfte sich sehr offen und repräsentativ zur Markgrafenstraße wendet, ist der westliche Platzbereich an der Charlottenstraße durch engere Raumstrukturen gekennzeichnet. Seinen Ursprung hat diese Situation in der Komposition der Dom- und Kirchenbauten, deren Türme sich in der östlichen Platzhälfte gegenüberstehen. Diese Asymmetrie wird auch durch die eindeutige Ausrichtung des Schauspielhauses unterstrichen, welches durch eine klare Unterscheidung in Vorder- und Rückseite gekennzeichnet ist. Das Raumkonzept der unterschiedlichen Platzseiten wirkt bis in den Straßenraum hinein und so kann heute vor allem von der Markgrafenstraße aus die „Schauseite“ des Platzes erlebt werden, während gegenüber eher technische Funktionen dominieren.

Die reich gegliederten Baukörper mit ihren vornehmen Fassaden und vor allem den einladenden Portalen, Portiken und Freitreppen erfordern geradezu zwingend einen offenen, großzügigen Platzraum, um ihre Wirkung entfalten zu können. Daher wiegt es umso schwerer, wenn inzwischen einige ursprünglich wohlgemeinte Veränderungen das klare städtebauliche Bild des Gendarmenmarktes beeinträchtigen. So sind es vor allem die in den letzten Jahrzehnten zu dichten Dächern herangewachsenen Baumraster aus Kugel-Ahorn, die an den Stirnseiten des Platzes und an den so wichtigen Straßenecken die Fassaden der Kirchenbauten verdecken und Blickbeziehungen unterbrechen. Die sehr niedrigen Baumkronen können keine angemessenen Proportionen zu den mächtigen Gebäuden entwickeln und erzeugen eine bedrückende räumliche Atmosphäre. Zusätzlich sind diese Bereiche durch eine Stufenanlage vom Straßenraum abgetrennt, wodurch die teilweise beengte Situation noch verstärkt wird.

Der großzügige Platzbelag des Gendarmenmarktes unterstreicht die städtebauliche Grundidee und ist als übergreifendes Motiv in wohltuender Weise ablesbar. Er entspricht im Detail jedoch nicht mehr den heutigen Erwartungen an eine elegante und komfortabel nutzbare Oberfläche. Die sehr vielfältige Materialmischung steht in Konkurrenz zur eleganten Fassadengliederung der historischen Bauten und kann in der Detailqualität den gestalterischen und funktionalen Anspruch der Gebäude nicht erreichen.

Die Ausstattungselemente im Bereich vor dem Schauspielhaus sowie an den Platzkanten zeugen von einer relativ einheitlichen Gestaltsprache und unterstreichen den repräsentativen Charakter des Gendarmenmarktes. Andererseits bilden vor allem die Kandelaber und Poller in ihrer kräftigen Ausformung teilweise Raumteilungen aus, die dem originären städtebaulichen Ansatz nicht entsprechen.

Letztlich sind es auch die teilweise raumgreifenden Möblierungen, die den eigentlich sehr großzügigen Platz an einigen Orten wie „zugestellt“ erscheinen lassen. Obwohl die vielen Restaurants und Cafés dem Platz erst zu seinem angenehmen urbanen Flair verhelfen, wird durch ausladende Sitzmöbel, übergroße Sonnenschirme oder umfangreiche Tresenanlagen der prächtige Stadtraum stellenweise empfindlich gestört.

 

Story schließen (x)

Aufenthalt auf dem Platz

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Nutzergruppen

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Nutzungsanteile

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Bewegungen auf dem Platz

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

ständige Platznutzung

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Classic-Open-Air

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Sitzen auf dem Gendarmenmarkt
Bestand

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Stadtführung mit Fahrrad
Bestand

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Die Nutzung - Ein Ort für alle Tage

Der Gendarmenmarkt zeigt sich heute als einer der belebtesten Plätze der Stadt. Er wird sowohl im Alltag wie auch zu besonderen Gelegenheiten auf die vielfältigste Art und Weise genutzt.

Die drei den Platz dominierenden Bauten geben ihm nicht nur seine wesentliche architektonische Erscheinung, sondern prägen mit ihren jeweiligen Funktionen auch die Nutzung des öffentlichen Raumes. Vor allem das Schauspielhaus (Konzerthaus) nimmt dabei mit seinen vielfältigen Veranstaltungen eine herausragende Rolle ein. Der Bühnen- und der Transporteingang orientieren sich zur Charlottenstrasse, die beengten Platzverhältnisse sowie eine Vielzahl von Mauern und Treppen erschweren jedoch die Zugänglichkeit dieser Bereiche. Dies wird teilweise noch verstärkt, wenn parkende Fahrzeuge die bereits sehr schmale Anlieferungszone verstellen.

Die Publikumseingänge des Konzerthauses sind dagegen in sehr grosszügiger und repräsentativer Weise auf den Platz gerichtet. Über ein barrierefrei erreichbares Entree gelangen die Besucher in das Erdgeschoß des Gebäudes. Die darüber befindliche Freitreppe öffnet auch die Saalebene zum Gendarmenmarkt und verbindet mit einer großartigen Geste das Gebäude mit dem Platzraum. Die Treppenanlage dient dabei nicht nur der Wegebeziehung, sondern ist auch ein beliebter Ort des Aufenthaltes und wird darüber hinaus für repräsentative Zwecke genutzt.

Auch die beiden Dombauten orientieren sich sehr stark zum öffentlichen Raum, wobei auch hier die grosszügigen Treppenanlagen das verbindende Element darstellen. Mit den in beiden Gebäuden befindlichen Ausstellungen wird die besondere gesellschaftliche und kulturelle Rolle des Gendarmenmarktes deutlich.

Trotz der den Platz allseits umschließenden Straßen gibt es starke funktionelle Wechselbeziehungen mit den benachbarten Quartieren. Die vielfältigen Nutzungen der Randzonen haben größtenteils den hohen Anspruch des Stadtraumes aufgegriffen. Hotels, Restaurants und Geschäfte bemühen sich um hochwertige Angebote und zeigen oft auch in der Außenwirkung gestalterische Qualität. Auf diese Weise tragen sie entscheidend zur eleganten Atmosphäre des Gendarmenmarktes bei.
Der Platz selbst wird im Alltag auf sehr unterschiedliche Weise genutzt. Neben den Passanten, die den Platz regelmäßig queren, sind es vor allem Touristen, die sich zu Fuß oder mit den verschiedensten Fahrzeugen über den Platz bewegen. Die Analyse der Wegebeziehungen macht deutlich, dass dabei insbesondere die östliche Platzhälfte mit ihren fotogenen Perspektiven auf die historischen Bauten sehr stark frequentiert wird. Andere Bereiche werden dagegen weniger genutzt oder sogar gemieden. Sehr ungünstig wirken sich auch in dieser Beziehung die Treppenstufen am Platzrand sowie die niedrigen Baumdächer aus, welche als räumliche und funktionale Barrieren die Wegebeziehungen stark kanalisieren.

Die Beliebtheit des zentral gelegenen Gendarmenmarktes äußert sich in einer großen Zahl von Veranstaltungen und Aktivitäten, die den Platz das ganze Jahr über beleben. Insbesondere der Weihnachtsmarkt und das „Classic Open Air“ - Festival finden regelmäßig auf der Platzfläche statt. Jedoch zeugen dann oft eine Vielzahl von wenig attraktiven Containern, Zäunen und Kabeltrassen von der Schwierigkeit, diese zweifellos wichtigen Nutzungen gestalterisch angemessen in den eleganten Stadtraum zu integrieren. Nachteilig erweist sich an dieser Stelle die fehlende Infrastruktur, da die gesamte Ver- und Entsorgung in provisorischen Trassen über die Platzfläche geführt wird.

 

Story schließen (x)

Parkplätze entlang der Charlottenstraße
Bestand

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Schmale Gehwege - Charlottenstraße
Bestand

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Lieferzone - Charlottenstraße
Bestand

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Busse auf der Markgrafenstraße
Bestand

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Verstellung der Blickachse - Taubenstraße
Bestand

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Der Verkehr – Mitten in der Stadt

Der Gendarmenmarkt wird maßgeblich durch das historisch überlieferte, orthogonale Straßenraster der Friedrichstadt geprägt. Der Platz wird von der Charlottenstraße im Westen, der Markgrafenstraße im Osten, der Französischen Straße im Norden und der Mohrenstraße im Süden gerahmt.

Eine Besonderheit des Straßennetzes besteht darin, dass die Tauben- und Jägerstraße, die außerhalb des Platzes Bestandteil des regelmäßigen Straßennetzes sind, vom Gendarmenmarkt unterbrochen werden. Auf der Westseite des Platzes sind in Verlängerung dieser beiden Straßen zwei Zufahrten baulich ausgebildet, die das Befahren des Platzes mit Fahrzeugen in Sonderfällen, zum Beispiel bei Großveranstaltungen, ermöglichen. Das rasterförmige Straßennetz gewährleistet ein hohes Maß an Flexibilität hinsichtlich der Routenwahl im Fahrzeugverkehr, was sich bei Störungen oder Havarien positiv auswirkt und zu einer weitgehend gleichmäßigen Verteilung des Verkehrsaufkommens führt.

Bei temporären Veranstaltungen herrscht stets ein intensiver Verkehr am Gendarmenmarkt, wie zum Beispiel beim Auf- und Abbau des Weihnachtsmarktes. Zusätzlich entstehen teilweise Beeinträchtigungen durch Anlieferungen der Gastronomiebereiche direkt auf der Platzfläche. Während die Charlottenstraße hauptsächlich für die Andienung des Gendarmenmarktes genutzt wird, dient die Markgrafenstraße eher der touristischen Erschließung.

Die den Gendarmenmarkt im Westen, im Süden und im Osten umgebenden Straßen haben hinsichtlich des Fahrzeugverkehrs ähnliche Bedeutung. Die Französische Straße ist im Vergleich als höherrangig einzustufen. Die Nutzung der den Platz umgebenden Straßen ist verkehrsrechtlich nur hinsichtlich der zulässigen Höchstgeschwindigkeit eingeschränkt. Der Gendarmenmarkt liegt in einer Tempo-30-Zone. An den Einmündungen und Kreuzungen gilt die Vorfahrtregelung „rechts vor links“. Nur die Französische Straße liegt außerhalb dieser Zone und ist entsprechend ihrer übergeordneten Erschließungsfunktion gegenüber den einmündenden Straßen vorfahrtberechtigt.

An der Kreuzung Französische Straße/Charlottenstraße besteht eine Lichtsignalanlage, die für den Fußgängerverkehr die Fahrbahnquerungen über alle Zufahrten sichert. Weitere bauliche Anlagen oder betriebliche Regelungen zur Sicherung und Erleichterung von Fahrbahnquerungen über die den Platz umgebenden Straßen sind nicht vorhanden. Fußgänger gelangen meist nur mühsam auf den Platz. Sie müssen sich den Weg zwischen am Fahrbahnrand parkenden, in zweiter Spur haltenden Fahrzeugen und dem fließenden Verkehr bahnen. Treppenstufen am Platzrand behindern die barrierefreie Zugänglichkeit des Platzes zusätzlich.

Im Fußgängerlängsverkehr wird die nutzbare Breite der gebäudeseitigen Gehwege sowohl in der Markgrafenstraße als auch in der Charlottenstraße durch raumgreifende Sondernutzungen, Pflanzkübel und andere Straßenausstattung wie zum Beispiel Masten und Parkscheinautomaten teilweise stark eingeschränkt. Der platzseitige Gehweg ist insbesondere im nördlichen Abschnitt der Charlottenstraße und westlich des Konzerthauses so schmal ausgebildet, dass Begegnungen von entgegenkommenden Fußgängern oder das nebeneinander Gehen nicht möglich sind.

In den umgebenden Straßen bestehen keine Anlagen für den Radverkehr, sie sind innerhalb der Tempo-30-Zone entbehrlich. Auf der Platzfläche wird das Radfahren „geduldet“, obwohl es verkehrsrechtlich nicht zulässig ist. Radfahrer überqueren den Gendarmenmarkt vor allem in West/Ost-Richtung im Zuge der Tauben- und der Jägerstraße sowie diagonal von Südwesten nach Nordosten. Die Diagonale von Nordwesten nach Südosten ist wegen der Treppenstufen der Platzränder und wegen der Bepflanzung nur eingeschränkt nutzbar.

Die Fahrbahnränder der den Platz umgebenden Straßen werden fast durchgängig auf beiden Seiten von parkenden Fahrzeugen belegt. Häufig wird in zweiter Reihe geparkt, da für den Lieferverkehr oder für Reisebusse keine ausreichenden Stellplatzangebote frei gehalten werden. Die parkenden Fahrzeuge verstellen die Zugänge zum Platz und beeinträchtigen wichtige Sichtbeziehungen. Das für die Verkehrssicherheit wichtige Prinzip „sehen und gesehen werden“ wird durch die parkenden Fahrzeuge insbesondere für den Fußgängerverkehr stark eingeschränkt. Gleichzeitig sind jedoch die zahlreich vorhandenen Parkhäuser und Tiefgaragen der Umgebung nicht ausgelastet.
An allen Rändern des Platzes besteht ein hoher Stellplatzbedarf für Fahrräder, der durch die vorhandenen Stellplatzanlagen nicht gedeckt werden kann. Die Folge sind zahlreiche „wild“ abgestellte Fahrräder, die zu optischen Beeinträchtigungen führen und teilweise Gefahrpotenziale darstellen.

Die hohe Frequenz von Reisebussen, die Besucher zum Gendarmenmarkt bringen und wieder abholen, führt insbesondere in der Markgrafenstraße zu Konflikten durch optische Störungen an der Schauseite des Platzes und erschwert die Zugänglichkeit. Der öffentliche Straßenraum wird häufig für die Dauer eines Besuches am Gendarmenmarkt zum Parkplatz für Busse und der Blick auf den Platz ist damit vollkommen verstellt.
Im nördlichen Abschnitt der Charlottenstraße wurden Taxistände am platzseitigen Fahrbahnrand eingerichtet. Der ohnehin sehr schmale Gehweg wird in diesem Bereich beim Öffnen von Fahrzeugtüren für das Einsteigen der Fahrgäste in Anspruch genommen und damit zusätzlich eingeschränkt.

 

Story schließen (x)

Faltplakate zum 1., 2. und 3. Bürgerforum

© 2009 Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Abteilung III

Diskussionsgruppen beim 2. Bürgerforum am 11.11.2009

© 2009 k.A.

Ausschnitt aus dem Planungsjournal, Heft 1

© 2009 Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Abteilung III

Ausschnitt aus dem Planungsjournal, Heft 2

© 2010 Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Abteilung III

Internetpräsenz

©  Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Abteilung III

öffentlicher Planungsprozess

Planungsprozess - Beteiligung erwünscht

Seit den ersten planerischen Überlegungen zur Umgestaltung des Gendarmenmarktes wurden eine Reihe von Veranstaltungen und Diskussionen durchgeführt, um das Konzept in einem breiten Konsens zu entwickeln.

 

Story schließen (x)

Nutzungen
Varianten

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Nutzungsplan

© 2012 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Schankgärten - Gestaltungsvorgaben
Auszug aus dem Gestaltungshandbuch Gendarmenmarkt

© 2012 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Nutzungskalender

© 2012 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Nutzungskonzept - Respektvoll und flexibel

Auch in Zukunft soll der Gendarmenmarkt von den unterschiedlichsten Nutzungen belebt werden. Voraussetzung dafür ist nach wie vor ein offenes Raumkonzept mit einer multifunktional nutzbaren Oberfläche.

Die vorhandenen Funktionen werden grundsätzlich beibehalten, jedoch in ihren Standorten überprüft und anhand der bevorzugten Blick- und Wegebeziehungen teilweise neu ausgerichtet. Dabei soll insbesondere den Gebäuden auf der Platzfläche etwas mehr „Respektabstand“ verschafft werden, um die Fassaden in ihrer großartigen Wirkung nicht zu beeinträchtigen.

Nach wie vor bleiben die Cafés und Restaurants die wichtigsten Alltagsnutzungen auf dem Platz. Vor allem in der Möblierung der Schankgärten wird daher angestrebt, die zukünftige Positionierung präzise zu ermitteln und insgesamt ein möglichst einheitliches, zurückhaltendes Ausstattungssystem zu entwickeln. Der Verzicht auf allzu auffällige Farben, Logos und Werbeelemente würde der Gesamtwirkung des Raumes sehr zugute kommen.

Es ist weiterhin vorgesehen, die Schankgärten nur in den Sommermonaten zu betreiben und somit dem Platz eine „Winterruhe“ zu gönnen. In dieser Zeit wird sich der Raum in einer ganz anderen Atmosphäre zeigen - nur der Weihnachtsmarkt setzt im Dezember einen ganz besonderen Akzent.

Eine Vielzahl von technischen Elementen wird in Zukunft eine effektivere Platznutzung sowie einen ökonomischeren Auf- und Abbau der temporären Bauten unterstützen. So werden mit der Einrichtung einer unterirdischen Elektro-Versorgungsstation die lästigen Kabeltrassen auf der Oberfläche überflüssig, der Platz wird komfortabler und sicherer begehbar. Bodenhülsen machen es möglich, Sonnenschirme und andere Freiraummöbel fest im Boden zu verankern, um auf die schweren „Klumpfüße“ verzichten zu können.

Auch in Zukunft werden Großveranstaltungen, wie zum Beispiel das traditionelle Classic Open Air, auf dem Platz möglich sein. Mit der verbesserten Infrastruktur sind dann auch dafür optimale Bedingungen vorhanden. Vor allem in Bezug auf die Art, Dauer und Intensität dieser Veranstaltungen sind jedoch höchste Maßstäbe anzulegen, um den prächtigen Platz nicht durch eine Übernutzung zu entwerten. Ziel der Gesamtkonzeption ist es daher auch, in Ergänzung zu der gestalterischen und funktionellen Planung ein „Nutzungsregularium“ zu erarbeiten, welches die dann neu geschaffenen Qualitäten möglichst dauerhaft sichert.

 

Story schließen (x)

Straßenquerschnitt - Charlottenstraße
Planung

© 2010 Planung: Schaadtplan Ingenieur GmbH | Grafik: Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Verkehr - Mehr Platz am Platz

Das orthogonale Straßenraster der Friedrichstadt wird als Rahmen für den Gendarmenmarkt weitgehend unverändert übernommen und die bestehenden Straßenverbindungen bleiben erhalten.
Die kürzlich sanierte Markgrafenstraße sowie die Französische Straße und die Mohrenstraße sollen baulich nicht verändert werden.

Die Französische Straße wird zukünftig für den motorisierten Individualverkehr (MIV) eine höhere Bedeutung erhalten. Zur Sicherung des Radverkehrs sollen in diesem Straßenzug durchgehend Schutzstreifen auf der Fahrbahn angeordnet werden.
Für die Charlottenstraße wird eine bauliche Veränderung vorgeschlagen. Die Fahrbahnbreite soll auf 9 m verringert werden, wodurch sich unter Beibehaltung der Gehwege auf der Westseite die Breite des platzseitigen Gehwegs deutlich verbreitert. Damit wird für den Fußgängerlängsverkehr westlich des Konzerthauses ein ausreichend breiter Seitenraum geschaffen.
Die betrieblichen Regelungen für den fließenden MIV werden zunächst beibehalten. Im Zusammenhang mit dem Ausbau der Markgrafenstraße wurde an der Kreuzung mit der Französischen Straße eine Lichtsignalanlage errichtet. Diese sichert die Fahrbahnquerungen für den Fußgängerverkehr und erleichtert die Zugänglichkeit für die nordöstliche Platzecke.
Der ruhende Verkehr an den Platzrändern und in der Charlottenstraße soll neu geordnet werden, insbesondere das dauerhafte Parken an den Platzrändern wird umlaufend aufgehoben. Die entfallenden Stellplätze im MIV können durch das Stellplatzangebot in den angrenzenden Straßen sowie in den umliegenden Tiefgaragen kompensiert werden.
Der nördliche Platzrand im Zuge der Französischen Straße soll Reisebussen für das Bringen und Abholen von Touristen vorbehalten bleiben. In der Charlottenstraße wird wegen der Einschränkung der Fahrbahnbreite das Halten von Kraftfahrzeugen nur noch einseitig möglich sein und dem Lieferverkehr vorbehalten bleiben. Diese Funktion ist wechselseitig, insbesondere auch zur verbesserten Andienung des Konzerthauses vorgesehen.
Der Taxistand, der zurzeit im nördlichen Abschnitt der Charlottenstraße auf der Platzseite besteht, soll auf die gegenüber liegende Fahrbahnseite verlegt werden.
Das Befahren des Platzes mit Kraftfahrzeugen soll weiter eingeschränkt werden. Die zurzeit in der Charlottenstraße baulich ausgebildeten Zufahrten sollen zukünftig entfallen und nur noch als Bordsteinabsenkungen im umlaufenden Gehweg erkennbar sein.

 

Story schließen (x)

Raumsystem - Einteilung Platz
Varianten

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Gestaltungskonzept
Varianten

© 2010 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Gestaltungskonzept

© 2012 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Erhalt der Blickbeziehungen

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Aufkantungen - Randzone
Bestand

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Situation am Französischen Dom
Bestand

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Rückschnitt Strauchpflanzung

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Oberflächen - Gliederung
Varianten

© 2009 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Neue Oberflächen
Verlegedetails für die Randbereiche und das Mittelstück

© 2012 Rehwaldt Landschaftsarchitekten

Gestaltungskonzept - Ein eleganter Raum

Nachdem in den Leitlinien zur Gestaltung und Nutzung des Gendarmenmarktes die wesentlichen Grundsätze definiert sind, zeigen die vorgestellten Planungsvarianten unterschiedliche Aspekte vor allem im Umgang mit der historischen Substanz sowie in der Verwendung von Vegetation.

Es ist dabei nicht das Ziel, die Varianten als sich ausschließende Alternativen zu betrachten, sondern eine tragfähige, in allen Aspekten sorgfältig „ausbalancierte“ Lösung zu finden, die einerseits einen funktionalen und modernen Zeitbezug aufweist, andererseits auch die unterschiedlichen Zeitschichten sowie die Denkmalsubstanz erkennbar werden lässt.

Allen Ansätzen gemeinsam ist die Beibehaltung des großzügigen, offenen Platzraumes, der auch die querende Tauben- und Jägerstraße mit einschließt. Die Rücknahme der Stufenanlagen an den Platzrändern bietet die Möglichkeit, die Oberfläche in ihrer ursprünglichen Höhenlage wiederherzustellen. Damit wird die Zugänglichkeit des Platzes verbessert und der Platz mit dem umliegenden Stadtraum verbunden. Auf diese Weise wird die städtebauliche Wirkung des Gesamtensembles wiederhergestellt. Vor allem im Umfeld des Französischen Domes entsteht damit wieder eine großzügige und gut begehbare Oberfläche. Die Eingänge und Treppenanlagen zur Französischen Straße und zur Markgrafenstraße werden frei sichtbar und zugänglich. An der Französischen Straße wird in Zukunft das Halten von Reisebussen erleichtert, die dort Raum für bequemes Ein- und Aussteigen der Fahrgäste erhalten.

Durch die Wegnahme der Treppenanlagen an den Platzrändern steht ein Großteil der Ahornpflanzungen zur Disposition. Dadurch ergibt sich die Chance, über eine Neustrukturierung der Vegetation nachzudenken und das Ursprungsmotiv der freistehenden Solitärbäume zu stärken. Auch dieser Ansatz hat im bisherigen Planungsprozess breite Zustimmung gefunden und ist daher allen Varianten gemeinsam.

Vor allem für das Umfeld des Konzerthauses kann die teilweise beengt wirkende räumliche Situation in Zukunft deutlich entspannt werden. Mit der Verbreiterung des platzseitigen Gehweges in der Charlottenstraße ergibt sich die Möglichkeit, Stufen und Kanten in unmittelbarer Eingangsnähe zu entfernen und damit den dort notwendigen Bewegungsfreiraum für Fußgänger wiederherzustellen.

Im Zuge dieser grundsätzlichen Entscheidungen werden die Platzoberflächen in großen Teilen erneuert. Ziel ist es dabei, eine möglichst große Ebenflächigkeit zu erhalten. Dies dient einer geregelten Entwässerung des Platzes und gleichzeitig auch einer robusten Nutzbarkeit. Die Ausformung der Beläge wird im Zusammenhang mit der denkmalpflegerischen Betrachtung diskutiert. Neben den heutigen gegliederten Strukturen im Quadratraster gab es in früheren Perioden auch in Teilbereichen relativ homogen gepflasterte Oberflächen auf dem Gendarmenmarkt. Es gilt dabei der Grundsatz, den Platz mit einem komfortablen und dauerhaften Steinbelag auszustatten, der den historischen Kontext nicht verleugnet.

 

Rundgang schließen

© 2009  Rehwaldt Landschaftsarchitekten Bestandslageplan 

© 2009   | Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Abteilung III Luftbild Gendarmenmarkt 

© 2009  Rehwaldt Landschaftsarchitekten Gendarmenmarkt mit Konzerthaus und Französischem Dom  Bestand

Gendarmenmarkt Berlin Gestaltungs- und Nutzungskonzeption


Der Berliner Gendarmenmarkt, mitten in der historischen Friedrichstadt gelegen, ist einer der schönsten Plätze Berlins. In einer großartigen Raumwirkung präsentieren sich die historischen Bauten des Deutschen und Französischen Domes sowie des Konzerthauses. Die umliegenden Gebäude mit ihren teils reich gegliederten Fassaden geben dem Ensemble innerhalb des barocken Straßenrasters einen würdigen Rahmen.

Seit seiner Entstehung am Ende des 17. Jahrhunderts hat der Platz eine wechselvolle Geschichte erlebt und wurde mehrfach umgestaltet. Nach dem Wiederaufbau der kriegszerstörten Bauten konnte der Gendarmenmarkt seinen besonderen Charakter wiedergewinnen und ist insbesondere in den letzten Jahren zu einem beliebten Treffpunkt und Aufenthaltsort geworden, der von den Berlinern und ihren Gästen auf vielfältigste Weise genutzt wird. Auch eine Reihe von Veranstaltungen nutzt diesen prachtvollen Raum, so dass sich der Platz inzwischen zu einem eleganten „Stadtsalon“ entwickelt hat.

Zunehmend wird jedoch auch deutlich, dass die derzeit vorhandene Platzstruktur in ihrer Funktionalität und Gestaltung der intensivieren Nutzung nicht mehr gerecht wird. Sowohl allgemeine Verschleißerscheinungen als auch fehlende Infrastruktur und grundsätzliche Nutzungskonflikte beeinträchtigen heute die gestalterische Erlebbarkeit und alltägliche Bewirtschaftung des Gendarmenmarktes.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hatte es sich daher zum Ziel gesetzt, ein Konzept zur Neugestaltung des Platzraumes zu entwickeln. Dieses sollte in einem intensiven Dialog mit den Anliegern, den betroffenen Unternehmen und allen interessierten Bürgern entstehen und sowohl gestalterische als auch funktionale Aspekte in eine zukunftsfähige Planung integrieren. Unter dem Motto „Zukunft Gendarmenmarkt“ wurden dazu in einem kontinuierlichen Bürgerdialog die Planungsgrundsätze erarbeitet und anschließend konkrete planerische Optionen diskutiert.

EIN BERLINER SALON
Ein langfristiges Planungskonzept für den Gendarmenmarkt musste zunächst ein klares städtebauliches Leitbild entwickeln. Dabei sollten die reichhaltigen Potenziale gestärkt und das positive Image des Platzes in einer zeitgemäßen, aber auch geschichtsbewussten Haltung zum Ausdruck gebracht werden. Besondere Merkmale sind dabei die großzügige Eleganz des Platzes sowie die zu allen Zeiten sehr belebte und geschäftige Atmosphäre dieses „Berliner Salons“.

Gleichzeitig war eine kritische Auseinandersetzung mit den erkennbaren Konflikten und Defiziten erforderlich. Räume und Blickbeziehungen sind wiederherzustellen, störende Einbauten zu entfernen. Barrieren - vor allem an den Platzrändern - sind zu beseitigen, um die Wegebeziehungen zu verbessern und vernachlässigte Bereiche aufzuwerten. Die teilweise sehr abgenutzte Platzoberfläche muss in ihrer Gestaltung und Materialqualität dauerhaft dem hohen Anspruch des Ortes gerecht werden. Zu diskutieren war, ob auch neue Freiraumelemente, wie beispielsweise attraktive Wasseranlagen und Licht- oder Kunstobjekte, darin integriert werden können.

Daneben sind vor allem die technischen Voraussetzungen für eine flexible Nutzbarkeit des Gendarmenmarktes zu schaffen. Die Vielzahl von Aktivitäten trägt einerseits zu einer urbanen Atmosphäre bei, anderseits ist sie aber auch auf optimale technische Bedingungen angewiesen. Dazu gehört ebenso die Entwicklung eines langfristig orientierten Nutzungskonzeptes.

Nur so kann es gelingen, den prächtigen Bauten des Gendarmenmarktes wieder zur vollen Geltung zu verhelfen und auch die Platzfläche selbst zu einem eleganten und funktionalen Stadtraum zu entwickeln.

  

Projektbeteiligte Mitarbeiter innerhalb des Büros

Sebastian Fauck (Projektleitung)

Isabel Bartsch, Ulrike Zänker

 


Planungsbeteiligte Partner • Bauausführende Firmen

Fachgutachten historische Entwicklung
Reinald Eckert Landschaftsarchitekt
Reinald Eckert

Babelsberger Str. 51A
10715 Berlin


Verkehrsplanung
Staadtplan Ingenieur GmbH
Prof.Dr.- Ing. Herbert Staadt

Berliner Str. 71F
14467 Potsdam

  

Zugänglichkeit, Öffnungszeiten & Informationen zur Anfahrt

ganzjährig frei zugänglich

 


Weitere Informationen im Internet

Der Gendarmenmarkt auf Wikipedia

Hier finden Sie weitere Informationen zur Geschichte und umliegenden Sehenswürdigkeiten auf dem Berliner Gendarmenmarkt.

Informationen zum Schauspielhaus

Link zur Denkmaldatenbank der Senatsverwaltung von Berlin mit weitergehenden Informationen zu Schinkels Schauspielhaus am Gendarmenmarkt.

Informationen zum Deutschen Dom

Link zur Denkmaldatenbank der Senatsverwaltung von Berlin mit weitergehenden Informationen zum Deutschen Dom.

Informationen zum Französischen Dom

Link zur Denkmaldatenbank der Senatsverwaltung von Berlin mit weitergehenden Informationen zum Französischen Dom.

Konzerthaus Berlin

Das aktuelle Programm des Konzerthauses Berlin finden Sie hier.

Planung

Rehwaldt Landschaftsarchitekten
Till Rehwaldt

Bautzner Straße 133
01099 Dresden


Projektinformationen

Projektzeitraum
2009 - 2015

Größe
3,5 ha

Auftraggeber • Bauherr
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Adresse
Gendarmenmarkt
10117 Berlin


Projekt auf Karte anzeigen

 

Video schließen

Anfang

Übersicht schließen