Neue Mitte Staßfurt

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©  Hanns Joosten | Häfner Jimenez, Büro für Landschaftsarchitektur Neugestaltung der historischen Mitte, Staßfurt 

©  Häfner Jimenez | Häfner Jimenez, Büro für Landschaftsarchitektur Lageplan 

© 2011  Hanns Joosten Uferweg 

Der geschwungene Weg am östlichen Ufer betont die Topographie der Abbruchkante

©  Häfner Jimenez | Häfner Jimenez, Büro für Landschaftsarchitektur Plattform Marktgasse 

Straßen, die als Plattformen über dem Wasser enden, lassen den Verlust der Mitte sinnlich erfahrbar werden.

© 2011  Hanns Joosten Schiefer Turm zwischen Markt und See 

Die Reste der gotischen St.-Johannis-Kirche sind unter dem Rasenplateau verborgen Diese wurde an einen älteren Wachturm angebaut. Infolge der Bergsenkung geriet dieser seit dem 19. Jh. aus dem Lot und war bis in die 60-er Jahre das Wahrzeichen der Stadt. Die Rasenskulptur zeichnet dessen im Boden verborgenen Fundamente nach.

© 2012  Hanns Joosten Schiefer Turm 

Auf dem Kirchplateau markiert eine Rasenskulptur den Umriss des ehemaligen Wehr- und Kirchturms, der mehr als 500 Jahre die Höhendominante der Stadt war und seit seiner Schieflage bis zum Abriss zu einem besonderen Wahrzeichen wurde.

© 2012  Hanns Joosten Stufen Rathausstraße 

Stufen überwinden und betonen die Topografie zwischen Großem Markt und Kirchplateau.

© 2012  Hanns Joosten Großer Markt 

Die Fläche des historischen Großen Marktes liegt als glatte Asphaltfläche in einem Bett aus Kleinsteinpflaster. Der Betonring erinnert an den ehemaligen Brunnen.

© 2012  Hanns Joosten Kirschbaumwiese 

Eine Brachfläche westlich des Sees wurde mit Kirschbäumen bepflanzt. Mittlerweile erfreuen sie mit ihren Blüten und beeindruckender Herbstfärbung die Staßfurter Bevölkerung.

© 2011  Hanns Joosten Brücke 

Die Brücke verbindet die beiden Teile der Kotten-, ehemals Schloßstraße als wichtiger historischer Achse. Die Konstruktion aus Cortenstahl greift das Material des Schiefen Turms und des Kirchplateaus auf.

© 2007  Doreen Ritzau | Häfner Jimenez, Büro für Landschaftsarchitektur Sehhilfen 

Betonbänder in der Kottenstraße erläutern die Bergsenkung entlang der Höhenlinien.

©  Häfner Jimenez | Häfner Jimenez, Büro für Landschaftsarchitektur Lageplan historischer Schichten 

Der Plan zeigt in verschiedenen Ebenen die historische Stadtgestalt, den heutigen Zustand und die Lage des Senkungstrichters.

© 2011  Hanns Joosten Überblick 

Das Bild gibt einen Überblick über den Stadtsee im Senkungstrichter. Links schließt sich das Kirchplateau und der große Markt an, rechts die historische Achse Kottenstraße mit der neuen Brücke.

Neue Mitte Staßfurt Neugestaltung des historischen Stadtzentrums


Mit der Umgestaltung der Stadtmitte erhielten die Staßfurter ihr durch Bergsenkung verlorenes historisches Zentrum als gestalteten und nutzbaren Freiraum zurück. Um den neuen Stadtsee gruppieren sich die Ensembles Großer Markt, Kirchplateau, Kirschbaumwiese, Kottenstraße mit Fuß- und Radwegebrücke und erweiterter Kaligarten. Die Themen Bergsenkung und Verlust wurden behutsam in die Gestaltung einbezogen. Die Entwicklung eines Stadtzentrums als Freiraum mit Mitteln der Landschaftsarchitektur im Dialog zwischen Planer, Bauherren, Bürgerschaft und IBA macht dieses Projekt bemerkenswert. Das wurde durch die Verleihung des Deutschen Städtebaupreises 2012 und einer Auszeichnung im Architekturpreis des Landes Sachsen-Anhalt 2013 gewürdigt.

Die Salz- und Bodestadt Staßfurt gilt seit Eröffnung der ersten Schächte 1852 weltweit als die „Wiege des Kalibergbaus“. Das „weiße Gold“ machte die Stadt zwar reich, doch es wandelte sich zum Fluch, als Ende des 19. Jahrhunderts die Grubenaue „wild ersoff“. Seither durchzieht ein Bergsenkungsgebiet diagonal den historischen Kern. Ungefähr 800 Gebäude fielen der Senkung zum Opfer, unter ihnen die gotische St.-Johannis-Kirche und das Renaissance-Rathaus. Jahrelang prägten Leere und Vernachlässigung den Ort. Im Rahmen der IBA Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010 setzte sich Staßfurt mit dem Thema „Aufheben der Mitte“ auseinander mit dem Ziel, der Stadtmitte ein neues Erscheinungsbild und damit eine neue Bedeutung und Identität für die gesamte Stadt zu geben.
Die ingenieurtechnische Herausforderung lag in der Verringerung der Senkung und Stabilisierung des Untergrundes, basierend auf langjährigen Untersuchungen. Durch dezentrales und verringertes Abpumpen entstand im Senkungskrater ein 4500 Quadratmeter großer See als das eindrücklichste Element der neuen Stadtmitte. Die Gestaltung dieses Sees, seiner Uferbereiche und angrenzender Flächen und Straßenzüge sowie das Areal der Stadtkirche und des Großen Marktes beschreiben den Umfang des Projektes.
Die Gestaltung thematisiert die Bergsenkung als Besonderheit des Ortes. Der Senkungsbereich wird als offene räumliche Einheit ausgeformt, in der See, Großer Markt und die Fläche der Kirche eingefügt werden.
Der See folgt der Topografie des Ortes. Der Schotter am Ufer erinnert an kristallines Salz, das einst zum Wohlstand der Stadt, aber auch zum Verlust der historischen Mitte führte. Straßen, die als Plattformen über dem Wasser enden, lassen das zerrissene Netz sinnlich erfahrbar werden. Der Große Markt liegt als glatte Asphaltfläche in einem Bett aus Kleinpflaster. Der weiße Betonring erinnert an den historischen Brunnen. Das sich nördlich anschließende Kirchengrundstück, auf dem sich 50 cm unter dem heutigen Niveau die Reste der St.-Johannis-Kirche und des sogenannten Schiefen Turms befinden, bleibt unangetastet und wurde als plane horizontale Rasenfläche ausgebildet. Im Rasen markiert eine Cortenstahlskulptur die Grundmauern des Turmes, der mehr als 500 Jahre ein Wahrzeichen der Stadt war. Eine Brücke über den See macht die historische Achse Kottenstraße wieder zugänglich.

 


Garten des Monats • Jahrgang 2012

November 2012

  

Projektbeteiligte Mitarbeiter innerhalb des Büros

Jens Betcke (Projektleitung), Almut Kiefer, Katja Welkisch, Frank Eschrich (Bauleitung);

Koordination: Saleg Landesentwicklungsgesellschaft, Magdeburg;

Wasserbau: Muting GmbH, Magdeburg

  

Zugänglichkeit, Öffnungszeiten & Informationen zur Anfahrt

jederzeit frei zugänglich

Planung

häfner jiménez betcke jarosch landschaftsarchitektur gmbh
Jens Betcke, Thomas Jarosch

Schwedter Straße 263
10119 Berlin


Projektinformationen

Projektzeitraum
2004 - 2011

Größe
34540

Bausumme
2902492

Auftraggeber • Bauherr
Stadt Staßfurt

Adresse
Großer Markt / Wendelitz
39418 Staßfurt


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