Gestaltungskonzept im Trassenbereich der BAB 20

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©  TGP Rapsblüte in Schleswig-Holstein 

Reiselandschaft als Panorama: In den Reiseberichten früherer Generationen wird das Schauen in die Landschaft während einer Eisenbahnfahrt als eigenes eindrucksvolles Erlebnis geschildert. „Die Eisenbahn inszeniert eine neue Landschaft . Erst durch die Geschwindigkeit erhalten die Gegenstände der sichtbaren Welt einen Reiz“. Das erstmals beim Eisenbahnfahren aufgetretene Phänomen ist der Panoramablick“. Seine wesentlichen Elemente sind - Überblick über die Landschaft - Ende des Vordergrundes Das Phänomen des „panoramatischen Blickes“ tritt auch beim Autofahren auf. Es ist durch das nach Vorne schauen können und die höheren Geschwindigkeiten sogar noch intensiver. Landschaftserlebnis und Geschwindigkeit: Blicke in die freie Landschaft für Reisende sind nur dann möglich, wenn genügend lange Sicht-Fenster vorhanden sind. Für einen 5 Sekunden langen Ausblick brauchen Fußgänger und Autoreisende unterschiedlich breite „Sicht-Fenster. Bei den Planungen von Straßenbegleitgrün ist zu bedenken, daß die Geschwindigkeit den Blickwinkel der Betrachtenden verändert.

©  TGP Knicktor, Fotomanipulation, TGP 2001 

Gestaltung des Vordergrundes Die unterbrochenen Knicks sollen über die Verwallung in den Straßenraum geführt werden, so daß Knicktore entstehen. Damit bleibt das historisch gewachsene Knicknetz erlebbar. Die in den Straßenraum geführten Knicks strukturieren den Trassenraum zusätzlich und verringern die lineare Wirkung der Verwallung. Damit werden vom Straßenraum aus erlebbare Landschaftsräume gebildet. Die Gestaltung der vier Lübecker Ausfahrten (B 207 – Alt, B 207 – Neu, Geniner Straße und Autobahnkreuz A 20/A 1,) ist so angelegt, daß der Kontrast zwischen Stadt und Land erlebbar ist. Das heißt, die Bäume, die auf der der Stadt zugewandten Seite stehen, sind im Raster gepflanzt. Die einzelnen Reihen sind in einem 30°-Winkel zur Fahrbahn angelegt und so für die Reisenden gut erlebbar. Die quer dazu liegenden Reihen sind in einem entsprechenden Winkel zur querenden Straße angelegt und können von dieser Straße ebenso betrachtet werden. Die Bäume auf der gegenüberliegenden ländlichen Seite werden in verschieden großen Gruppen frei angeordnet.

©  TGP Prinzipskizze einer Pflanzsequenz 

Pflanzsequenz Die Landschaftsbilder stellen die Themen der Umgebung mit Pflanzen, die in diesen Bereichen heimisch sind, plakativ dar. Landschaftsthemen sind Niederungen, sandige und Agrarland-schaften, Wälder und moränenartige Bodenformationen. Ginster-sequenzen: Das Thema Schleswig-Holstein wird durch Rapsfelder symbolisierende Ginsterfelder, die in unterschiedlichen Abständen und Variationen entlang der Autobahn wiederholt werden, illustriert. Pflanzensequenzen: Die Agrarlandschaft wird durch Pflanzense-quenzen, dargestellt. Die Abfolge der Pflanzenarten ist so zusammengestellt, daß sich unterschiedliche Blütenzeiten, Laubfärbungen und Pflanzhöhen abwechseln und ein interessanter Rhythmus erlebbar wir d. Leitbäume für Autobahn-Anschlussstellen bzw. -kreuze: Es ist beabsichtigt jede Autobahn-Anschlussstelle bzw. das Autobahnkreuz mit einer eigenen Leitbaumart auszustatten, die die Wiedererkennbarkeit fördert. Dabei werden für die ländlichen Autobahnanschlüsse typisch ländliche Baumarten wie Eschen (Fraxinus excelsior) und für die vier Lübecker Ausfahrten städtisch wirkende Arten wie Winterlinde (Tilia cordata) verwen-det

©  TGP Baumraster an Autobahnabfahrt 

Tanz der Bäume im Ohr der Anschlussstelle Gestalterisches Leitbild für eine Autobahn. - Das Thema Niederung wird durch die Anpflanzung von Kugel-Weide (Salix purpurea `Nana´) und Schneeball (Viburnum opulus) inszeniert.. - Gestaltung der Anschlusstellen nach dem Prinzip „Kontrast Stadt und Land“. - Leitbaumart die Eiche (Quercus). Für die städtische Seite wird die Stieleiche (Quercus robur) und für die ländliche Seite die Traubeneiche (Quercus petraea) verwendet. einheitliche Strauchpflanzung mit Schlehen (Prunus spinosa). - Grönau-Niederung, . In diesem Abschnitt sollen Landschaftsbilder mit Sequenzen aus Traubenkirsche (Prunus spinosa), Eberesche (Sorbus aucuparia), Salweide (Salix caprea) und Zitterpappel (Populus tremula) etc. entstehen und damit den Niederungscharakter betonen. Ausblicke in die Landschaft, werden durch Rasenansaat in diesen Sequenzen erhalten. Stadtseite Seite wird der Spitzahorn Acer platanoides) verwendet und auf der ländlichen Seite Vogelkirschen (Prunus avium).

©  TGP Ausschnitt aus Gestaltungskonzept der BAB A20 - Landesgrenze Mecklenburg-Vorpommern bis Lübeck 

©  TGP Ausschnitt aus Gestaltungskonzept der BAB A20 - Landesgrenze Mecklenburg-Vorpommern bis Lübeck 

Gestaltungskonzept im Trassenbereich der BAB 20 Einfahrt von Mecklenburg-Vorpommern nach Schleswig-Holstein


Neben dem Landschaftspflegerischen Begleitplan zur Abarbeitung der Eingriffsregelung wurde für die Teilstrecken 1 bis 3 der BAB A 20 in Schleswig-Holstein zwischen Geschendorf (bei Bad Segeberg) und der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern ein einheitliches Gestaltungskonzept entwickelt. Sowohl die Bedürfnisse von Reisenden nach einer abwechslungsreich gestalteten Straßenumgebung als auch die Anforderungen an den Immissionsschutz der Anwohner wurden berücksichtigt.
Das Gestaltungskonzept verfolgt das Ziel die Autobahn gut in die Umgebung zu integrieren und die Landschaft für Reisende erlebbar zu machen.

Das Gestaltungskonzept zielt darauf ab, dem reisenden Autofahrer die Landschaft zwischen Schleswig-Holstein und Mecklenburg–Vorpommern zu „inszenieren“. Landmarks und verschiedene Gestaltungselemente erleichtern die Orientierung und das Wiedererkennen, z.B. eines Autobahnkreuzes.

Methodische Herangehensweise
Die Gesamtstrecke wurde anhand der Landschaftsraum- und Orientierungsanalyse sowie der Rhythmusanalyse untersucht und bewertet.

Untersuchungsergebnisse
Die künftige BAB 20 von der Wakenitz bis Geschendorf wird über weite Strecken von Verwallungen zum Schutz der umgebenden Ortschaften geprägt. Im ersten und zweiten Teilabschnitt gibt es an wenigen Stellen und für wenige Sekunden die Möglichkeit in die Landschaft zu schauen. Im dritten Abschnitt sind insbesondere zwischen Mönkhagen und Geschendorf mehrere und zum Teil langanhaltende Blicke in die Umgebung möglich.
Aus den Analysen werden folgende Schlüsse für das Gestaltungskonzept gezogen:
• Abschnitte mit freiem Blick in die Landschaft sollen von hoher Bepflanzung freigehalten
werden, um die verbleibenden Blicke in die Landschaft zu erhalten und wertvolle Blickbeziehungen
zu bewahren.
• Die Verwallungen sollen so bepflanzt werden, daß eine abwechslungsreiche „Landschaft
in der Landschaft“ entsteht.

Gestaltungskonzept
Auf die Analysen aufbauend wurde ein Gestaltungskonzept entwickelt, das die spezifischen Bedingungen der Geschwindigkeit berücksichtigt. Es ist eine Reisegeschwindigkeit von 100 km/h angenommen worden. Für die Gestaltung des Straßenraumes sollen im wesentlichen die Arten verwendet werden, die im Landschaftspflegerischen Begleitplan vorgegeben sind und einige markante Arten hinzugefügt werden.

Gestaltungsidee
Die Einfahrt von Mecklenburg-Vorpommern nach Schleswig-Holstein bzw. die Ausfahrt soll durch Illustration der Landschaft, die hinter dem "Wall" liegt, mit typischen Strukturelementen der schleswig-holsteinischen Landschaft auf dem „Wall“ gestaltet werden. Typische Strukturelemente sind Knicks, blühende Rapsfelder, leichtwellige Moränenlandschaft und Wälder.

Die Landschaftsräume im Trassenbereich werden im wesentlichen durch Knicks als gestalterisches Grundgerüst gebildet. In den Landschaftsräumen entstehen durch Arrangement der Pflanzenarten in Sequenzen Landschaftsbilder.

Die Landschaftsbilder stellen die Themen der Umgebung mit Pflanzen, die in diesen Bereichen heimisch sind, plakativ dar. Landschaftsthemen entlang der Teilstrecken 1, 2a und 2b sowie 3 sind Niederungen, sandige und Agrarlandschaften, Wälder und moränenartige Bodenformationen.

Die verbleibenden Blickbeziehungen von der Autobahn in die Landschaft sollen erhalten bleiben. Zu den überwiegend linearen Elementen der Verwallungen und Einschnitte wird mit dem Öffnen von Räumen quer zur Straßenrichtung ein weiteres Element hinzugefügt. Die Reisenden können so Sequenzen von Seitenräumen erleben, in denen der Blick in die Tiefe geführt wird. Es ist geplant diese Sequenzen mit Rasenansaat und Wildkräutern zu bepflanzen, um die Blicke langfristig freizuhalten.

Ziele
• Die gestaltete Strecke hat eine hohe Wiedererkennbarkeit
• Mit der Gestaltung soll den Reisenden die schleswig-holsteinische Landschaft nahe gebracht und ein „Urlaubs-feeling“ erzeugt werden.
• Das Konzept zeigt die Pflanzen „geschwindigkeitsgerecht“, d. h. nicht die einzelne Pflanze, sondern der Gruppenkörper der jeweiligen Pflanzenart steht im Vordergrund.
• Durch die „geschwindigkeitsgerechte“ Gestaltung können die jeweiligen jahreszeitlichen Aspekte der Pflanzung intensiver wahrgenommen werden.
• Die Gestaltung der Trassenbereiche bietet sowohl für Reisende wie auch für Pendler abwechslungsreiche und attraktive Fahrerlebnisse.

  

Projektbeteiligte Mitarbeiter innerhalb des Büros

Christoph Gondesen



Peter Steinlein

Margit Maul

Magriet Franke

Planung

Trüper Gondesen Partner
Dipl. Ing. Peter Hermanns, Dipl. Ing. Maria Julius, Dipl. Ing. Tonio Trüper

An der Untertrave 17
23552 Lübeck


Projektinformationen

Auftraggeber • Bauherr
Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein, Niederlassung Lübeck

Adresse

Lübeck bis Geschendorf


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