Skateanlage Werdau

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©  arc Bei der Einweihung 

©  arc Lageplan 

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©  arc Skatenanlage 

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©  arc Skatanlage 

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Skateanlage Werdau Partizipation


Der eingefriedete Skatepark ist über einen, von der Durchfahrtsstraße abgeschrankten, Eingangsbereich zu erreichen.

Die fast kreuzförmige Anlage besitzt an drei Seiten unterschiedlich hohe Kingsize Banks bzw. eine Quarter Pipe, die durch ein Betonflat verbunden sind. In dieser wurde zwischen Quarter-Pipe und Bank eine Rooftop Ramp mit niedriger Flatrail aus Stahl eingeordnet.

Gegenüber der zweiten Bank verbindet eine Treppe in Kombination mit Ramp und verschiedenen Ledge Banks das untere Level des Flat mit dem etwas höher gelegenen zweiten Level. Auf dem unteren Level sind außerdem noch eine Curb Box und ein Railelement untergebracht.

Die Anlage wurde durch robuste Sitzelemente aus Betonquadern ergänzt und eingegrünt.

Jugend in die Stadt - Skateanlage in Werdau

Werdau ist eine kleine Stadt mit etwas über 20000 Einwohnern in Südwestsachsen.
Die Stadt ist eine von den in dieser Region typischen, ehemaligen Industriestädten.
Hier gab einen starken Nutzfahrzeug- und Maschinenbausektor sowie eine lange Tradition
der Textilindustrie. Nach der Wende sind große Teile davon weggebrochen, die Stadt hat
mit starkem Bevölkerungsrückgang und Überalterung zu kämpfen. Das wirkt sich am
stärksten auf die Innenstadt aus. Die ursprünglich urbane Stadtmitte erodierte in den
letzten Jahrzehnten zunehmend, nicht zuletzt, weil Fabrikruinen abgebrochen und
die Flächen zum Teil nicht wieder bebaut werden konnten.

Unmittelbar am Stadtzentrum wurde der Bereich der Pleiße in den letzten Jahren von
maroder Bebauung freigeräumt. Die in städtischem Eigentum befindlichen Flächen
an der Pleiße sollten als Grünbereich für alle Generationen gestaltet werden. 2010 nahm
die Stadt mit mehreren Themen u.a. mit der Planung eines Generationen- und Skate-
parkes an der Pleiße am Landeswettbewerb „Ab in die Mitte-die City-Offensive Sachsen“
teil und gewann diesen.

2011 wurden Landschaftsarchitekten mit der Überplanung dieser Flächen beauftragt.
In den ersten Vorberatungen waren sich Auftraggeber und Planer einig, dass, wenn die
Anlage angenommen und erhalten werden soll, die Planung gemeinsam mit den
potentiellen Nutzern entwickelt werden muss.
Die kleine Skater- und BMX-Szene der Stadt sorgte schon seit langem für einigen Unmut
bei der Bevölkerung, machten sie doch die innerstädtischen Freianlagen und Supermarkt-
parkplätze unsicher. Stadtsprecher und Streetworker nutzten ihre Verbindungen zur Szene
und transportierten die Idee.

Bei der ersten Zusammenkunft im Rathaus saßen Mitarbeiter der Stadtverwaltung,
die beauftragten Landschaftsarchitekten, Streetworker und vor allem erstaunlich
viel Skater und BMXer unterschiedlicher Glaubensrichtungen an einem Tisch.
Die jungen Leute brachten Ideen, Wünsche und schon kleine Entwürfe mit.
Die Mitarbeiter der Stadt und die Planer hatten ebenfalls erste Vorstellungen und
es wurde diskutiert und abgewogen.

Von Beginn an wurde ein Kostenlimit gesetzt, in dem sich die Planung bewegen sollte.
Auch der Zeitrahmen der Umsetzung und die Projektfinanzierung waren schon relativ
weitgehend geklärt. Die Jugendlichen bildeten zu diesem Zeitpunkt nur eine lose
Interessengruppe, deren Ansprechpartner bisher die Streetworker waren.

Um die Planung für alle Beteiligten effizient und gleichzeitig nachvollziehbar zu gestalten,
wurde eine kleine Arbeitsgruppe aus den Planungsbeteiligten gebildet.
Mit den Jugendlichen wurde vereinbart, dass sie aus ihrem Kreis zwei feste Ansprech-
partner für die Stadt und die Landschaftsarchitekten benenne sollte, die alle Interessen-
gruppen vertreten.

Schon in dieser ersten Phase wurde klar, dass es nicht nur vordergründig um den Bau
einer bedarfsgerechten Anlage gehen konnte, sondern auch um deren Pflege.
Konsens war, dass sich die Jugendlichen darum selbst kümmern sollten und wollten.
Wichtig war auch, das die Jugendlichen in den Planungsprozess, in dem es ja auch immer
wieder um Kosten geht, integriert wurden. Damit verband sich die Hoffnung, dass sie als
Nutzer verantwortungsvoll mit der durch Steuermittel finanzierten Investition umgehen.

Da es sich aber um lose, wechselnde Gruppierungen handelte, die als Ansprechpartner für
die Stadt nicht wirklich „greifbar“ waren, wurde ein Verein gesucht, der die Gruppe unter
sein Dach nehmen würde. Vorbild war hier auch die Planung der Skateanlage in Zwickau,
die erst umgesetzt wurde, als die Jugendlichen, dort eine wesentlich größere Gruppe,
einen Verein gegründet hatten.

Unter Einbeziehung der Vorstellungen der Jugendlichen wurden die ersten
Entwurfsvarianten entwickelt. Unglücklicherweise musste der ursprüngliche geplante
Standort aus unterschiedlichen Gründen verworfen werden.
Die Suche nach einer neuen adäquaten Fläche, sie sollte unbedingt in Nähe des
Stadtzentrums liegen, da man sich eine Belebung durch die jungen Leute erhoffte, gestaltete
sich schwierig. Nach Diskussionen in den politischen Gremien wurde ein nahe gelegener
Standort, der ursprünglich für eine andere Nutzung vorgesehen war, gefunden.
Auch die Jugendlichen konnten sich, nach gemeinsamer Besichtigung in der Arbeitsgruppe
und der Entwicklung erster Ideen mit der neuen Fläche identifizieren.

Ein paar Wochen und einige gemeinsame Beratungs- und Diskussionstermine später gab es
mehrerer Entwurfsvarianten, die die Ideen der Jugendlichen transportierten.
Gemeinsam wurde die umzusetzende Entwurfsvariante ausgewählt.
Mittlerweile war auch ein Trägerverein gefunden, das soziokulturelle Umwelt- und
Familienzentrum Vielfalt e.V.
Mit der Stadt wurden Vereinbarungen zur Pflege der Anlage getroffen und aus der baulichen
Umsetzung wurden kleine Teile für Eigenleistungen, z.B. farbige Gestaltung der Beton-
Sitzblöcke und einzelner Anlagenteile herausgelöst.

Nach dem Baubeginn September 2011 fand im Mai 2012 die Einweihung der Anlage statt.
Die Organisation und Durchführung, einschließlich einer Rede, der ausgesprochen gut
besuchten Feier lag im Wesentlichen in den Händen der Jugendlichen.

Die Nutzung der Sakteanlage ist intensiv, obwohl es in einigen Kilometern Entfernung
größere Anlagen gibt. Leider hat sich jetzt herausgestellt, dass die dem Verein
angehörenden Jugendlichen zwar versuchen, die Anlage in Schuß zu halten, dass es
aber Gruppierungen gibt, die sich nicht an die Vereinbarungen mit der Stadt und
die Nutzungsordnung halten, randalieren und zerstören.

Zur Zeit wird in der Kommune gemeinsam mit dem Verein und den Streetworkern nach
Wegen gesucht, wie man diesem Fakt entgegen wirken kann.
Für die engagierten Jugendlichen, die am Gelingen des Projekts beteiligt waren, ist auch
dies ein Lernprozess, dem sie sich stellen müssen.

Die Einbeziehung der Jugendlichen bedeutete in den ersten Planungsphasen einen etwas
erhöhten Aufwand, da mehr Zeit in Gespräche und Diskussionen investiert wurde,die
jedoch gut in turnusmäßige Beratungen eingebunden werden konnten.

Die Ausführungsplanung und selbst noch die bauliche Umsetzung gestalteten sich nicht
ganz problemlos, da trotz weitgehender vorheriger Mitarbeit immer wieder Ergänzungen
und Änderungswünsche durch die Jugendlichen eingebracht wurden. Diese wurden
diskutiert und, wenn technisch und finanziell möglich, eingearbeitet. Die Bündelung
der Ideen und Aktivitäten der Jugendlichen verschob sich im Laufe des Prozesses immer
mehr zu den Planern, was einen höheren Aufwand bewirkte. Aus dieser Erfahrung heraus
sollten die Verantwortlichkeiten von Anfang an klar geklärt und in die Honorar-
verhandlungen einbezogen werden. Den Bauherren muss verständlich gemacht werden,
dass solch eine weitgehende Nutzerbeteiligung und Lenkung des Prozesses für die Planer
einen zusätzlichen Aufwand bedeutet, aber für Erfolg und Nachhaltigkeit des Projekte
wichtig sind. Es empfiehlt sich also, für ähnliche Projekte von Anfang an einen Honorar-
aufschlag zu vereinbaren.

Fazit
1. Die Planer haben von Beginn an darauf bestanden, die Nutzergruppe einzu-
beziehen, zu bündeln und möglichst weit in die Verantwortung zu nehmen.

2. Stadt, Planer und Jugendliche saßen als gleichberechtigte Partner am Tisch.
Vertrauensbildung und das Gefühl, ernst genommen zu werden, ist immens
wichtig.

3. Die unmittelbar beteiligten Jugendlichen waren im Ganzen verläßliche Partner.
Nachteilig war, dass es sich um eine lose Gruppierung mit unterschiedlichen
Interessen handelte und eine Bündelung nur zum Teil möglich war. Diese erfolgte
durch die Planer.

4. Ab einem bestimmten Punkt war es schwierig, die wechselnden Vorstellungen in
den Planungsprozess einzubinden. Dabei ist verständlich, dass es den
Jugendlichen schwer begreiflich zu machen ist, dass der ausdiskutierte
Planungsendstand nicht eben mal schnell geändert werden kann, weil etwas
vermeintlich Essentielles vergessen oder eine Interessengruppe nicht genügend
beachtet wurde. Dies hat zu Mehraufwand in der Planung geführt.

5. Die Pflege der Anlage durch die Jugendlichen ist schwierig, wenn durch die
Kerngruppe selbst nicht genügend Druck auf Randalierer ausgeübt werden kann.
Dann bleibt oftmals nur die Ordnungsmacht und das ist für alle Beteiligten
kontraproduktiv, da eine gute Sache konterkariert wird.

  

Zugänglichkeit, Öffnungszeiten & Informationen zur Anfahrt

Öffnungszeiten Skatepark
Montag bis Samstag von 9 bis 20.30 Uhr
Sonn- und Feiertagen von 9 bis 13 Uhr und 14.30 bis 20 Uhr

Eine Nutzungsordnung weist auf das Verhalten auf der
Anlage und das Tragen von Schutzausrüstung hin.

Planung

Architectur Concept
Dipl. Ing. Guido Pfaffhausen, Architekt | Dipl. Ing. Sylvia Staudte, Garten- und Landschaftsarchitektin bdla

Scheringerstraße 1-3
08056 Zwickau


Projektinformationen

Projektzeitraum
2011 - 2012

Größe
ca. 840 m²

Bausumme
120.000 €

Auftraggeber • Bauherr
Stadt Werdau

Adresse
Uferstraße (Nähe JET-Tankstelle)
08412 Werdau


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