Wohnen am Buchheimer Weg, Köln-Ostheim

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©  urbane gestalt Lageplan Siedlung am Buchheimer Weg 

© 2012  Johannes Böttger | urbane gestalt Gemeinschaftshof 

© 2012  Johannes Böttger | urbane gestalt Vorplatz Kindertagesstätte Grevenstraße 

© 2012  Johannes Böttger | urbane gestalt Wohnweg 

© 2012  Benjamin Luchterhandt | urbane gestalt Blick in den großen Spielbereich 

© 2012  Johannes Böttger | urbane gestalt Festplatz 

Multifunktionaler Quartiersplatz mit Streetballkorb, Weihnachtsbaumständer und Versorgungsstation für das nächste Stadtteilfest.

© 2012  Benjamin Luchterhandt | urbane gestalt Spielplatz Buchheimer Weg 1 -3 

Wohnen am Buchheimer Weg, Köln-Ostheim update einer 1950er Jahre Siedlung


Die Siedlung „Buchheimer Weg“ aus den 1950er Jahren wird zugunsten eines Ersatzneubaus abgerissen. Ziel ist es den Charme der räumlichen Figuren, besonders der fließenden Räume zwischen den Gebäuden zu erhalten und gleichzeitig aktuelle Nutzungsanforderungen, im Freiraum sind besonders abgeteilte private Gartenparzellen zu nennen, zu integrieren.
Die Winkelform der Neubauten gliedert den Freiraum in intime Bereiche. Neben Erschließung und Treffpunkten, privaten Gärten wurden Mietergärten, Flächen für Aufenthalt und Spiel sowie Zonen für den ruhenden Verkehr realisiert. Darüber hinaus wurden Bereiche geschaffen, die speziell für Menschen mit Funktionseinschränkungen und Menschen mit Demenz ausgelegt sind und diese in ihrem Lebensumfeld bestärken und als bereichernden Bestandteil in das Quartier integrieren. Insgesamt entsteht ein fließender Freiraum der die einzelnen Teile der Siedlung mit einander verbindet und den Kontakt zwischen Siedlung und offener Landschaft /angrenzenden Quartieren wieder herstellt.
Die Aufgabe umfasst sämtliche Grünflächen, Spielplätze, Verkehrsanlagen & öffentlichen Räume, die in diesem Zusammenhang neu zu gestalten sind.

Im April 2012 wurde die Siedlung am Buchheimer Weg in Köln Ostheim fertig gestellt. In den letzten fünf Jahren sind hier Wohnbauzeilen aus den 1950er Jahren abgerissen worden und an gleicher Stelle durch ein charakteristisches Neubauquartier im geförderten Wohnungsbau ersetzt worden. Die Gebäude waren in vielerlei Sicht veraltet und nicht mehr auf aktuellen technischen und energetischen Stand zu bringen. Daneben waren neu zugeschnittene Wohnungsgrößen und ein neuer Wohnungsmix, sowie eine Nachverdichtung des Gebietes um 25% wesentliche Ziele der Neubebauung. Die städtebauliche und die freiräumliche Neukonzeption setzen bei den spezifischen Qualitäten der Nachkriegsmoderne an und leiten eine zeitgenössische Lösung ab.

Die Siedlung ist ein Teil des größeren zusammenhängend entwickelten Nachkriegsquartiers Ostheim und so kam während der Bearbeitung des Wettbewerbs 2004 auch die Frage auf, ob es nicht auch gute Eigenschaften des Gebietes gäbe, von denen man lernen könne. Der so genannte fließende Raum stach hervor. Der fließende Raum ist die räumliche Umsetzung des Gedankens, den Bewohnern dichter städtischer Siedlungen möglichst viel Licht und Luft zu bieten. Die Zeilenbauten standen daher mit weitem Abstand, darin Wege, ein wenig Ausstattung, Rasen, Bäume. Eine Parklandschaft war dadurch allerdings nicht entstanden.
Dieser große verfügbare Raum zwischen den Zeilenbauten ist aus Sicht der Freiraumplanung dennoch ein reizvolles Erbe, allerdings waren im Bestand weder die Zeilenbauten als stadträumliches Ensemble attraktiv gelungen, noch waren die Freiräume belebt und ausreichend integriert.

Das Planungsteam ASTOC architects and planners mit urbane gestalt johannes böttger landschaftsarchitekten entwickelte ein Konzept, das zwischen den Gebäuden wiederum weite Abstände belässt. Die Ausrichtung der Neubauten untereinander und ein Knick im Grundriss der Gebäude erzeugen städtebaulich vielfältige Räume. Die Landschaftsarchitektur entwirft hierin neue Bedeutung und Nutzungen für die großen Freiflächen zwischen und um die Bauten und erschafft einen markanten Ort.
Ein wesentliches Ziel ist es durch abgestufte Gestaltung der Freianlagen Bereiche mit öffentlichem Charakter und siedlungsbezogene Räume zu unterscheiden. Die Übergänge sind fließend, die Siedlung ist bis in die Tiefe zugänglich. Nahe den Straßen prägen befestigte Flächen und Großbäume den Charakter, grüne Räume mit Parkcharakter und zusammenhängende Aufenthaltsräume mit Spielplätzen liegen weiter Innen, im Wohnbereich. Umschlossen von der ringförmig verlaufenden Grevenstraße ergibt sich ein baulich definiertes Zentrum mit sechs großen zentralen Bauten. Im Inneren liegen die wichtigsten gemeinschaftlichen Räume, Mietergärten schaffen Distanz zu den privat genutzten Räumen.
Die Anordnung von vielen Mietergärten ist eine der wesentlichen Setzungen im Freiraumkonzept. Als Garteninseln bezeichnete, zusammenhängende Flächen parzellierter Mietergärten, bilden räumliche Figuren, auf denen die Gebäude stehen. Die Gärten erreichen Privatheit für die auf der Nullebene liegenden Erdgeschosswohnungen und dass viel Leben in den Siedlungsraum ausstrahlt.
Die Gärten haben jeweils Türchen, die den Gartenbetrieb und eine sekundäre Erschließung ermöglichen. Sie befördern auch den formlosen sozialen Austausch, die gemeinschaftlich genutzten Höfe erhalten dadurch Anlieger, eine erhöhte soziale Kontrolle ist die Folge. Die Ligusterhecken, die sämtliche Gärten einfrieden sind in der Höhe unterschiedlich. Bis zu 1,90 m wenn Abschirmung gewünscht ist, wie zum Beispiel zu Müllplätzen, oder nur 1,20 m wenn Kontakt sein soll, so wie zu den grünen Bereichen der Höfe. Die Heckenhöhen werden mit diagonalen Oberkanten vermittelt, der Verlauf wird durch Eckpfosten vorgegeben.
Der große Anteil an Mietergärten an der Gesamtfläche sorgt zudem für relative geringe Kosten, sowohl in Erstellung, als auch in der Pflege der Anlage.
Der sehr hohe Anteil an unversiegelten Flächen hat einen ökologischen Wert. Das Niederschlagswasser der Wegeflächen kann direkt versickert, ein Rigolensystem entsorgt die Dachwasser. Einige der schönen Bäume konnten erhalten werden, die zusammen mit den angrenzenden Grünstrukturen der Siedlung von Beginn an zu einem fertigen Bild verhelfen.

Die dicht bebaute Wohnsiedlung ist mit einem entsprechend engmaschigen Wegenetz ausgestattet. Die Gebäude haben durchgesteckte Treppenhäuser, die im Erdgeschoss beidseitig Eingänge haben, es ergeben sich viele Anschlusspunkte und eine gute Erreichbarkeit der Spielflächen und Aufenthaltsbereiche. Zudem werden ein großer Jugendspielplatz und eine Kleingartenanlage in der Nähe zum Anlass genommen eine Wegeverbindung durch das Gebiet hindurch zu erzeugen. Diese Wegstrecke hat einen öffentlichen Charakter und ist besonders gestaltet. Die Wegebreite verändert sich von platzartiger Aufweitung bis hin zu einem 150 cm schmalen Hauptweg, dem Minimum unter dem Gesichtspunkt des barrierefreien Bauens. Das wasserdurchlässige Gussmaterial erlaubt die sich ergebende vieleckige Form und ermöglicht gefällelose Flächen und den Verzicht auf kostenintensive Abläufe. Zudem ist das Material grün und korrespondiert mit den Fassaden.
Die Nebenwege sind gepflastert, auch hier kommt ein grünes, sickerfähiges Material zum Einsatz, wenig wichtige Wege und Pfade, die entlang bestehender Bäume verlaufen sind wassergebunden hergestellt.
Im Bereich der Verkehrsflächen sind ebenfalls abgestufte Materialien eingesetzt. Die öffentlichen Straßen haben asphaltierte Fahrbahnen, Höfe mit dem Schwerpunkt Erschließung, Adressbildung voll versiegelte Parkplätze, Stellplätze, die weniger im Fokus stehen sind mit Rasenfugenpflaster belegt. Weiter im Inneren gelegene notwendige Verkehrsflächen, auch für die Rettungswege sind auf Wegen integriert oder über Schotterrasen hergestellt, so dass sie im Alltag nicht als Verkehrswege wahrgenommen werden.

Die Freianlagen nehmen sich in diesem Projekt nicht zurück, sie fallen auf und erschaffen über die Flächen ein Gerüst der Siedlung. Die Freiraumplanung formuliert durch den pointierten Einsatz von farbigen Materialien und Sonderbauteilen einen starken Ausdruck und schafft ein Pendant zur städtebaulichen Setzung durch Baukörper. Die Wegebaumaterialien greifen die Farbigkeit der Fassaden auf, die spielerischen Flächenbegrenzungen mit vielen Knicken in langen Linien ergänzen die Architektursprache.
In der Abfolge von identischen Haustypen erzeugen diese Setzungen erkennbare Unterschiede und helfen bei der Individualisierung der Wohnsituation. Der Ort bekommt eine eindeutige Adresse und darüber hinaus eine gewisse Sonderstellung im Stadtteil.
2012 gewann das Projekt in der Kategorie Neubau einen Bauherrenpreis, außerdem den neu gestifteten Preis für Freiraumgestaltung im Siedlungsbau des Bundes deutscher Landschaftsarchitekten. Neben einer erreichten hohen Gestaltqualität bescheinigten die Juroren dem Projekt einen Beispielcharakter, wonach die hier angelegten Lösungsansätze auch für andere Siedlungsräume dieser Epoche Anwendung finden sollten.

(Text ist erschienen in 'DW | Die Wohnungswirtschaft' Ausgabe 06/2012

  

Projektbeteiligte Mitarbeiter innerhalb des Büros

Lina Garcia

Benjamin Luchterhandt

Jonas Bellingrodt

Moritz Bellers

Christoph Hülsebusch

Oshtoud Daghigian

Planung

 

urbane gestalt // johannes böttger // landschaftsarchitekten
Johannes Böttger

Probsteigasse 34
50670 Köln

ASTOC Architects & Planners, Köln
Peter Berner, Markus Neppl, Oliver Hall, Andreas Kühn, Ingo Kanehl, Jörg Ziolkowski


Projektinformationen

Projektzeitraum
2005 - 2012

Größe
3,25 ha

Bausumme
2.500.000

Auftraggeber • Bauherr
GAG Immobilien AG, Köln

Adresse
Buchheimer Weg 1 bis 28, Grevenstraße
51107 Köln


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