Platz der Alten Synagoge Freiburg

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© 2017  Thomas Kunz Platzaufsicht vom Regierungspräsidum (Blickrichtung Südost) kurz vor Eröffnung 

© 2017  Bernhard Büttner Platznutzung am Abend - Blickrichtung Südwest zur neuen Unibibliothek 

© 2017  Bernhard Büttner Platznutzung am Abend - Blickrichtung Nordwest zur Kreuzung Bertoldstraße/ Rotteckring 

© 2017  Bernhard Büttner Fontänenfeld, dahinter die neue Unibibliothek 

© 2017  Bernhard Büttner Das Fontänenfeld entfaltet am Abend eine ganz besondere Wirkung 

© 2017  Bernhard Büttner Belag aus gelb-beigem Granit - Blickrichtung Südwest, links die neue Unibibliothek, rechts das Theater 

© 2017  Thomas Kunz Als Erinnerung an die Alte Synagoge wurde deren Grundriss in Form eines Wasserspiegels nachgebildet 

© 2017  Bernhard Büttner Der Wasserspiegel am Abend - Blickrichtung Nordwest 

© 2017  Thomas Kunz Schwebende Holzdecks integrieren den Baumbestand und bieten vielfältige Sitzmöglichkeiten 

© 2017  Thomas Kunz Die Holzdecks unter den schattenspendenden Bestandsbäumen werden besonders im Sommer gut angenommen 

© 2014  GD90/ faktorgruen Visualisierung Vogelperspektive + Gesamtplan 

© 2014  GD90 Visualisierung Südperspektive 

© 2014  GD90 Visualisierung Nordost-Perspektive 

Platz der Alten Synagoge Freiburg mit Volker Rosenstiel, Architekt und Stadtplaner


In der „neuen Mitte“ Freiburgs wurde ein offener, weitläufiger Platz moderner Prägung erschaffen, der drehscheibenartig die angrenzenden Stadtquartiere mit den großen Fußgängerströmen und den prominenten Gebäuden Theater, Universität, Universitätsbibliothek und Regierungspräsidium verbindet. Die Platzumgestaltung ist Teil der städtebaulichen Gesamtmaßnahme „Umgestaltung Rotteckring“ und gehört damit zum wichtigsten Projekt im öffentlichen Raum Freiburgs seit Errichtung der Fußgängerzone im Jahr 1970.

Das Konzept weist verschiedene Erlebniszonen auf der Platzfläche aus: So findet man Ruhe und Besinnlichkeit im Südost-Dreieck, wo der Grundriss der zerstörten Synagoge in Form eines Wasserspiegels nachgebildet wurde. Dynamik und Aktivität prägt den nordwestlichen Platzbereich nahe der Kreuzung Bertoldstraße/ Rotteckring – bespielt durch ein Fontänenfeld, das die Geräuschkulisse filtert. Der innere Platzbereich ist frei von Einbauten, sodass die Fläche flexibel genutzt werden kann. Ein Teppich aus beigen Granitplatten und ein Rahmen aus Basaltkleinsteinpflaster halten den Platz optisch zusammen.

Der Wettbewerbsentwurf aus dem begrenzt offenen Realisierungswettbewerb von 2006 wurde im Projektverlauf in einigen Punkten planerisch nachgebessert. So wurde die Idee des Platzhauses nicht umgesetzt, stattdessen konnten mehr Bestandsbäume erhalten werden. Zum Schutz ihrer hoch liegenden Wurzeln erhielten sie Einfassungen, die mit Holzdecks beplankt sind und so vielfältig als Sitz- und Liegemöglichkeiten genutzt werden können.

Städtebauliche Bedeutung

Mit einer Größe von 130 x 130 Metern (ca. 17.000 qm) ist der Platz der Alten Synagoge nach dem Münsterplatz der zweitgrößte Platz Freiburgs. Trotz dieser Dimension war er bisher nicht als Stadtplatz erleb- und nutzbar und blieb weit hinter seinen städtebaulichen Möglichkeiten, die sich aus der zentralen Lage zwischen Universität und Stadttheater ergeben, zurück.

Der Städtebauliche Rahmenplan Rotteckring – Werderring – Friedrichring ist Grundlage der Neuordnung der Fuge zwischen Altstadt und westlicher Innenstadterweiterung zu einer Abfolge von Stadtstraßen, Plätzen und Freiräumen. Der Platz der Alten Synagoge spielt in dieser Entwicklung eine besondere Rolle: Durch seine Größe, die zentrale Lage, die prominenten ihn begrenzenden Gebäude (Theater, Universität, Universitätsbibliothek, Regierungspräsidium) und seine geschichtliche Bedeutung als Standort der ehemaligen Synagoge, kommt ihm eine herausragende Bedeutung im städtebaulichen Gesamtprojekt wie auch für die gesamte Innenstadt zu.

Aktive Bürgerbeteiligung

Grundlage der Platzumgestaltung war das Ergebnis eines Wettbewerbs im Jahr 2006, in den die Ergebnisse einer Planungswerkstatt mit Bürgerinnen und Bürgern eingeflossen sind. Deren Wünsche und Ansprüche an den Platz waren vielfältig: Zum einen sollte ein abwechslungsreicher und kommunikativer Ort entstehen, an dem unterschiedlichste Nutzungen möglich sind; zum anderen sollte die Erinnerung an die 1938 zerstörte jüdische Synagoge wachgehalten werden.

Auf dieser Basis schrieb der Gemeinderat einen europaweiten Wettbewerb aus, an dem 31 Architekturbüros teilnahmen. Der gemeinsame Entwurf von faktorgruen und dem Architekten und Stadtplaner Volker Rosenstiel wurde als Siegerbeitrag ausgewählt und anschließend durch Anregungen aus dem Gemeinderat weiterentwickelt. Beispielsweise forderten die Stadträte, dass mehr Bäume erhalten bleiben. Mit der vorliegenden Planung und Umsetzung ist es gelungen, möglichst viele der sich teils auch wider-sprechenden Wünsche aus der Bürgerschaft zu verwirklichen.

Platzbereich
Der Platz wurde als großzügige, zusammenhängende Fläche gestaltet, ohne Stufen oder Mauern. Ein Teppich aus beigen Granitplatten, der auch die Flächen von Stadtbahn, Liefer- und Fahrradverkehr einschließt, hält den großen Platz optisch zusammen. Er wird umfasst von einem Rahmen aus Basaltkleinsteinpflaster, der an die vorhandenen Flächen des Theaters, des Platzes der Universität sowie die neu gestalteten Freiflächen der Universitätsbibliothek anschließt. Im Zentrum des Platzes lädt ein Fontänenbrunnen zum Betrachten und Spielen ein.

Bertoldstraße
Der nördliche Bereich des Platzes, der ohne Trennung an die Bertoldstraße anschließt, ist geprägt von den vielen Fußgängern – längs der Bertoldstraße ebenso wie diagonal in Richtung Sedanstraße, Uni-Bibliothek oder KG II.

Wasserspiegel/ Synagogenbrunnen
Im südlichen Bereich bestimmen Ruhe und Beschaulichkeit den Platz. Als Erinnerung an die Alte Synagoge wird deren Grundriss in Form eines Wasserspiegels nachgebildet. Die von Carl Rissler geschaffene, seit 1963 bestehende Gedenktafel wurde in den Wasserspiegel eingelassen. Der Synagogenbrunnen ist heute ein „Ort des Erinnerns“ mit der Möglichkeit des temporären Gedenkens an die Verbrechen des Nationalsozialismus.

Umfeld der Universitätsbibliothek
Die neue Universitätsbibliothek hat nicht nur einen ebenerdigen Zugang, sondern auch ein Café mit Außenbewirtung an der Ecke Sedanstraße, die bis zur Milchstraße Teil der Fußgängerzone ist. Die Gestaltung der Freianlagen der Universitätsbibliothek wurde eng mit der Umgestaltung des Platzes der Alten Synagoge abgestimmt. Im Ergebnis wurden einheitliche Materialien und Verlegemuster für die Basaltpflaster verwendet.

Theater
Durch den Wegfall der heutigen Straße und die zusammenhängende Gestaltung des Platzes strahlt das Theater viel stärker auf den ganzen Platz aus und macht ihn gewissermaßen zum Theater-Vorplatz.

Verkehr
Der neue Platz wurde als Fußgängerzone angelegt. Neben den Gleisen ist eine Fahrgasse für den Liefer- und Radverkehr vorgesehen, die gestalterisch in den Platz integriert wird. Auch die Stadtbahn wird ohne Abtrennung über den Platz geführt. Die Oberleitung wird weitgehend an ohnehin notwendigen Lichtmasten angebracht.

Fußgängerinnen und Fußgänger können den gesamten Platz durchgängig und ohne Hindernisse nutzen. Niedrige Borde und eine geeignete Materialwahl machen auch für blinde und sehbehinderte Menschen erkennbar, welche Flächen vom Fahrrad- und Lieferverkehr mitbenutzt werden.

Der Platz als Teil der städtebaulichen Gesamtmaßnahme

Kommunalpolitische Umsetzung und Bürgerbeteiligung
Nach einer mehrjährigen Phase der Konzeptentwicklung mit städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerben, einer Machbarkeitsstudie zur Trassenführung der Stadtbahn sowie einer Veranstaltungsreihe „Projektwerkstatt Stadtboulevard“ mit vier themenbezogenen Informations- und Diskussionsveranstaltungen sowie einem weiteren Wettbewerb und einer Bürger-Planungswerkstatt zum Platz der Alten Synagoge, beschloss der Gemeinderat im Juli 2012 den Bebauungsplan zur Umsetzung des Projekts.

Im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens wurden die eingegangen Anregungen ausgewertet und soweit möglich in die Planung eingearbeitet. Darüber hinaus gab es im Zuge der Projektentwicklung eine sehr intensive Öffentlichkeitsarbeit per Amts-Sonderdrucke, Internet, Ausstellungen, Informationsveranstaltungen und einer umfangreichen Bürgerbeteiligung mit allen Akteuren der Freiburger Stadtgesellschaft.

Der gesamte Planungsprozess wurde von einem Fachbeirat, besetzt mit national anerkannten Fachleuten, sowie von einem Projektbeirat, in dem die städtische Bürgerschaft und Akteure vertreten waren, eng begleitet. Zurzeit läuft ein Moderationsverfahren über das Nutzungskonzept des Platzes.

Zielsetzung der Gesamtmaßnahme
Eine wichtige Zielsetzung ist die attraktive Gestaltung der im Plangebiet liegenden Platzräume sowie die gestalterische Einbeziehung der benachbarten Parkanlagen. Der Platz der Alten Synagoge als zentrale Platzfläche durchbricht mit seiner eigenständigen Gestaltung bewusst die Linearität des Boulevards und ist darauf ausgerichtet, alle räumlichen Richtungsbezüge gleichwertig zu behandeln.

Nördlich des Platzes schließt sich der Boulevard Rotteckring an, der mit dem neu gestalteten Platz am Siegesdenkmal seinen Abschluss findet. Der Boulevard ist durch die großzügigen Fußverkehrsflächen entlang der Altstadtkante geprägt und verbindet die beiden großen, neugestalteten innerstädtischen Stadtplätze miteinander.

Bedeutung für die kommunale Verkehrspolitik
Die Gesamtmaßnahme entspricht auch der konsequenten Umsetzung der Freiburger Verkehrspolitik. Um der steigenden Nachfrage im ÖPNV gerecht zu werden, wird verkehrlich das Ziel verfolgt, die Funktion des „Innenstadtrings“ für den Kfz-Individualverkehr auf die bestehende, westlich liegende Bahnhofsachse zu verlagern und Werthmannstraße und Rotteckring als verkehrsreduzierte Stadtstraßen mit Boulevard-charakter sowie mit Fußgängerzone im zentralen Abschnitt zu entwickeln.

Dabei ist die neue Stadtbahnlinie eine wichtige Ergänzung und Verbesserung des vorhandenen Stadtbahnnetzes. Bei der verkehrlichen Neuordnung im Ring soll allerdings die Funktion als wichtigste innerstädtische Nord-Süd-Achse des Fahrradverkehrs erhalten und weiter ausgebaut werden. Abschließend bleibt festzuhalten, dass erst durch das Freiburger Verkehrskonzept und den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs die umfangreiche Umgestaltung des Stadtraums möglich wurde.

Planungs-, bau- und bodenrechtliche Gegebenheiten

Die Umgestaltung des Platzes wurde im Rahmen eines Bebauungsplanverfahrens mit allen beteiligten Ämtern und Behörden abgestimmt und das Ergebnis in einem rechtsgültigen Bebauungsplan festgehalten und gesichert.

Zum Zeitpunkt der Wettbewerbsauslobung waren folgende Bedingungen gegeben:

• Teilung des Platzes in Nord-Südrichtung – in die ca. 1,50 m höherliegende Vorzone des Stadttheaters, die Straße mit Mittelstreifen und Baumresten, den Fahrradparkplatz und den ca. 0,6 – 0,8 m erhöhten Vorplatz des Kollegiengebäudes II
• Wegebeziehungen nur in Nord-Süd und Ost-West-Richtung parallel den straßenbezogenen Gehwegen; diagonale, nutzungsbezogene Querungen waren nicht möglich
• Die Wettbewerbsaufgabe sah vor, dass die bandförmigen Zerschneidungen und die topografischen Höhenunterschiede überwunden werden und der Platz auch diagonal gequert werden kann
• Aufgrund der sensiblen Lage im Bereich der mittelalterlichen Stadtmauer wurden im Untergrund Kellerreste von abgebrochenen historischen Gebäuden vermutet – diese galt es während der Bauphase behutsam freizulegen und zu dokumentieren
• Zur Wettbewerbsaufgabe gehörte es, an den Standort der Alten Synagoge zu erinnern und ihn in entsprechender Form sichtbar zu machen. Dabei sollte ein Ort der Ruhe, der Besinnung und der Begegnung geschaffen werden.

Nachhaltigkeit und Stadtklima

Großes Augenmerk wurde auch auf die Funktion des Platzes für das Stadtklima gelegt. Die Auswirkungen der Platzumgestaltung wurden im Rahmen einer mikroklimatischen Untersuchung untersucht und bewertet.

Die im Wettbewerbsentwurf vorgesehenen Kirschbäume wurden im Ergebnis mit Blick auf die zukünftige Entwicklung und die Auswirkungen des Klimawandels durch anpassungsfähigere, hitze- und stadtklimaverträglichere Gleditschien (Gleditsia triacanthos Skyline) ersetzt. Die Anzahl der erhaltenen Bestandsbäume (Platanen und Kastanien) wurde im Planungsprozess deutlich erhöht.

Auch der Empfehlung des mikroklimatischen Gutachtens, „helle Materialien, die eine hohe Reflektion der ankommenden kurzwelligen Strahlung bewirken, dunklen Materialien vorzuziehen“ kommt der realisierte Platz nach. Verwendet wurde ein gelb-beiger Granit aus einem Steinbruch im niederbayerischen Hauzenberg.

  

Projektbeteiligte Mitarbeiter innerhalb des Büros

Martin Schedlbauer, Miriam Fay, Edgar Hug, Matthias Meßner, Florian Priesner

 


Planungsbeteiligte Partner • Bauausführende Firmen


Volker Rosenstiel Architekt und Stadtplaner
Volker Rosenstiel

  

Zugänglichkeit, Öffnungszeiten & Informationen zur Anfahrt

öffentlich zugänglich

Planung

faktorgruen
Jürgen Pfaff, Edith Schütze, Martin Schedlbauer, Stefanie Moosmann, Markus Rötzer, Michael Glaser

Merzhauser Str. 110
79100 Freiburg (weitere Standorte in Rottweil, Heidelberg und Stuttgart)


Projektinformationen

Projektzeitraum
2008 - 2017

Größe
ca. 17.000 m²

Auftraggeber • Bauherr
Stadt Freiburg im Breisgau

Adresse
Platz der Alten Synagoge
79098 Freiburg im Breisgau


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